»Filmtheater. Kinofotografien«
im Deutschen Filmmuseum

fr_FilmtheaterAls die Bilder das Laufen verlernten

Es waren Paläste, diese Räume, für die das Wort »Kino« wie eine Untertreibung klingt. Die Pariser Fotografen Yves Marchand und Romain Meffre sind durch die USA gereist und haben einstige Filmpaläste aufgesucht und fotografiert. Aus ihrer Foto-Serie sind jetzt dreißig großformatige Aufnahmen im Deutschen Filmmuseum zu sehen.

In den Jahren 1914 bis 1922 eröffneten 4.000 Filmtheater in den USA. Die Menschen strömten in die Kinos, um sich unterhalten zu lassen. Mit der massenhaften Verbreitung des Fernsehens in den 60er Jahren setzte das Kinosterben ein. Was aus einigen der prachtvollen Paläste aus den Anfängen des Kinos geworden ist, zeigt diese erste Museumsausstellung der beiden Franzosen.
Es bieten sich wahrhaft surrealistische Anblicke. Wenn man will, kann man die Ausstellung auch als Fortsetzung der letzten Ausstellung zu den weltweiten surrealistischen Bewegungen sehen. Jetzt erkennt man vor prunkvollen, teilweise verdeckten Wänden und unter vergoldeten Decken ein Fitness-Studio oder eine Lagerhalle, einen Supermarkt oder einen Busbahnhof. Die wechselvolle Geschichte dieser Orte wird besonders am Metropolitan Opera House von Philadelphia deutlich, das, 1908 als Opernhaus gegründet, in den 20er Jahren ein Kino war, in den 30ern ein Ballsaal, in den 40ern eine Sportstätte wurde und seit 1954 eine Kirche ist.
War das Auffinden der ehemaligen Kinos schon ein Abenteuer, bei dem Kinofans mit ihren im Internet veröffentlichten alten Fotos und Beschreibungen halfen, so war die fotografische Arbeitsweise von Marchand und Meffre nicht weniger abenteuerlich. Sie belichteten bis zu einer Stunde lang ihre vier mal fünf Zoll großen Fotoplatten. Dabei leuchteten sie Stück für Stück die riesigen Räume aus. Faszinierende analoge Aufnahmen entstanden, die in digital bearbeiteten 1,90 mal 1,50 Meter großen Abzügen zu sehen sind.
Wenn man das Kino liebt, ist der Anblick dieser Bilder auch deprimierend. Claudia Dillmann, die Chefin des Museums, betont, dass es ihr nicht um Nostalgie, sondern um Kino-Geschichte gehe. »Wir fragen mit dieser Ausstellung, die das Kino als selbstverständlichen Ort des Alltags thematisiert, auch: Was ist die Gegenwart und vor allem, was ist die Zukunft des Kinos? Denn trotz der Allgegenwart des bewegten Bildes, und obwohl Filme schauen inzwischen für viele Konsum bedeutet: wir glauben an die Zukunft des Kinos!«
Mit der Frankfurter Vergangenheit beschäftigt sich ein Dokumentarfilm im Foyer der Ausstellung und eine kleine Dokumentensammlung zum Kommunalen Kino, dem ersten seiner Art in Deutschland, im Kino-Foyer. Ein kleines Kino in der Ausstellung zeigt 20 Ausschnitte aus Wochenschauen mit Premierenauftritten diverser Filmstars und Berichten von Kino-Eröffnungen, in guter, alter 35mm-Projektion.

Claus Wecker
Bis 31. Mai 2015,
Di.–So. 10–18 Uhr, Mi. bis 20 Uhr
www.deutsches-filmmuseum.de

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