»Fassbinder – JETZT« zeigt das Deutsche Filmmuseum

»You‘re a Stranger Here« (Foto: BFI)Dekonstruiert

Aus Rainer Werner Fassbinders Nachlass findet man wenig in dieser Ausstellung. Fotos, Notizen, Entwürfe, eine französische Ausgabe von »Querelle« mit Anstreichungen, auf einem Zettel mit den Lieblingsfilmen fehlt seltsamerweise ein Werk des von ihm verehrten Douglas Sirk. Interessant sind die Interviewaussschnitte, die im Foyer vor dem Ausstellungsraum gezeigt werden. Hier erweist sich der berühmte Filmemacher als provokativer Geist, mit dem die Fragesteller auch entsprechend umgehen. Es waren halt ganz andere Zeiten, damals in den siebziger Jahren.

Die Ausstellung heißt nun aber »Fassbinder – JETZT« und wendet sich zuallererst dem Einfluss des Regisseurs auf heutige Videokünstler zu. In Zusammenarbeit mit der Biennale B3, die dem bewegten Bild in allen denkbaren Medien gewidmet war, entstand ein Konzept, das auch das Filmmuseum aus dem begrenzten Bereich des Kinos in die moderne Medienwelt führen soll. Die Ausstellung mit ihren verschiedenen Räumen, die ineinander übergehen und leider nicht schallisoliert sind, macht nun Chancen und Problematik dieser Umwidmung des Hauses deutlich.

Video war Fassbinder suspekt. Drei Monate vor seinem Tod im Jahr 1982 erklärte er »Ich glaube nicht an Video. Ich glaube nicht. dass man durch die Videotechnik den Film ersetzen kann.« Es bleibt unklar, ob er sich dabei nur auf die damals unvollkommene Technik oder aber auch auf die hochtrabende Kunstszene bezog, die ihm vermutlich zuwider war.

Fassbinders Filme sind distanzierte Melodramen, in denen die Identifizierung des Kinopublikums mit den Figuren immer wieder gestört oder gar verhindert wird. Mit den Geschichten, die er in seinen Filmen erzählt, hat er dennoch seine Wirkung nicht verfehlt. Diese Wirkung versuchen die modernen Videos erneut zu erzielen, indem sie sich an einzelne Szenen der Fassbinder-Filme anlehnen, sie zitieren und verfremden. Dekonstruktion heißt das Stichwort. Doch weil sie – mit wenigen Ausnahmen – auf das Ausformulieren einer komplexen Geschichte verzichten, wirken die Videoarbeiten plakativ. Unter ihrer Oberfläche entdecken Theoretiker jede Menge gesellschafts- und medienkritischer Aspekte, wie der zur Ausstellung erschienene Katalog ausführlich zeigt. Ob die Deutungen berechtigt sind, kann man im Filmmuseum bis zum 1. Juni 2014 nachprüfen.

Claus Wecker
Öffnungszeiten: Di.–So. 10–18 Uhr,
Mi. bis 20 Uhr. Der Katalog kostet 25 €.
Die Reihe mit Fassbinder-Filmen im Kino des Filmmuseums läuft bis ins nächste Jahr.
http://deutsches-filminstitut.de

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