»Elser« ab 9.4.2015 im Kino!

»Elser« (Foto: Lucky Bird Pictures)Er wollte den Krieg verhindern

»Elser« von Oliver Hirschbiegel

Ein schwäbischer Tüftler zündete schon 1939 eine Bombe, die Hitler töten sollte. Doch die Nazis hatten das bessere Timing. Oliver Hirschbiegel beschäftigt sich nach dem Hitler-Epos »Der Untergang« zum zweiten Mal mit dem 3. Reich und wirft einen neuen Blick auf Georg Elser.

Wie würde unsere Welt aussehen, wenn es Georg Elser 1939 gelungen wäre, Hitler zu töten? Elser gehörte zu den wenigen, die früh begriffen – viel früher etwa als Graf von Stauffenberg – dass Hitler und seine Getreuen von einer zutiefst niederträchtigen und sadistischen Energie getrieben waren, die unweigerlich in Tod und Zerstörung kulminieren würden. Es ist leider anzunehmen, dass nach Hitlers Tod in ähnlichem Stil weitergemacht worden wäre. So deutet es zumindest, trotz des optimistischen Untertitels »Er hätte die Welt verändert«, dieses Historiendrama an, das, nach einer Fernsehdokumentation (1969) und einem Spielfilm mit Klaus Maria Brandauer (1989) einen neuen Blick auf den gescheiterten Attentäter wirft.
Die Tat wird gleich zu Anfang gezeigt, wenn Elser, schweißüberströmt, die Zeitzünder-Bombe scharf macht, die am 8. November 1939 während einer Nazi-Gedenkfeier im Münchner Bürgerbräukeller explodieren wird. Doch Hitler, Himmler und Goebbels werden den Saal 13 Minuten vor der Detonation verlassen. Stattdessen sterben acht andere Menschen. Elser wird schon vor der Explosion bei der versuchten Flucht in die Schweiz beim deutschen Zollverhaftet, da er verdächtige Papiere bei sich hat.
»Elser« ist nach »Der Untergang« Oliver Hirschbiegels zweites Drama über das Dritte Reich. Seine unpathetische Inszenierung konzentriert sich einerseits auf die Verhöre. Die Ermittler sollen Elser als Teil einer Verschwörung entlarven, obwohl seine Einzeltäterschaft bald feststeht. Mit unbarmherzigem Realismus werden Folterroutine und Erhängen gezeigt, um zu verdeutlichen, was tagtäglich vor sich ging.
Der zweite Erzählstrang besteht aus Rückblenden auf Elsers unstetes Leben. Seine Affäre zu der verheirateten Elsa ist belegt, wird aber überbetont, um die Einblicke ins dörfliche Leben zu vertiefen.
Elser, der Schreiner und Uhrmacher, ist ein schwäbischer Tüftler, doch er tritt auch als Zitherspieler in Kneipen auf. Ein charmanter Hallodri ist er mit Sympathien für die Kommunisten, die Eltern katholische Bauern und Nazigegner, der Vater ein Säufer. Mehr intuitiv als rational erfasst er die zunehmenden Zivilisationsbrüche. Eine Frau, die auf dem Dorfplatz wegen »Rassenschande« an den Pranger gestellt wird, Braunhemden, die immer breitbeiniger auftreten, der Freund, der aus dem Lager flieht – wo andere sich wegducken oder mitmachen, spürt Elser, dass der Terror weitergehen wird.
Er wollte den Krieg verhindern, wird er im Verhör sagen. Und dass er seinen Plan nur allein durchführen konnte, denn »es hätte auch niemand mitgemacht«. Die Hellsichtigkeit dieses politisch ungebildeten Handwerkers, der erkennt, was passiert, und als einziger etwas dagegen unternimmt, war für andere »beschämend«, sagt Hirschbiegel.

Birgit Roschy

ELSER
von Oliver Hirschbiegel, D 2015, 110 Min.
mit Christian Friedel, Katharina Schüttler, Burghart Klaußner, David Zimmerschied,
Drama
Start: 09.04.2015

Zur Abendvorstellung am 9. April um 20 Uhr im Eldorado, Schäfergasse 29 verlosen wir 10 × 2 Tickets. Nach der Vorführung gibt es ein Filmgespräch mit Thomas Altmeyer, dem wissenschaftlichen Leiter des Studienkreises Deutscher Widerstand 1933-1945, Referenten in der Jugend- und Erwachsenenbildung sowie Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft Gedenkstätten und Erinnerungsinitiativen in Hessen.
Bitte rufen Sie uns am Mittwoch, d. 8.4., ab 10 Uhr unter der Tel.-Nr. 069/97 07 41 99 an. Weitere Karten sind an der Kasse zu erwerben.

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