Ein Schotte macht noch keinen Sommer
(ab 20.11. im Kino)

© TOBIS-FilmMit bestem Willen daneben

»Ein Schotte macht noch keinen Sommer« von Andy Hamilton und Guy Jenkin

Was wäre das Kino ohne britischen Humor? Auch um diesen Film ärmer, in dem zwischen Lachen und Weinen, zwischen Tod und Leben bei einem schottischen Familientreffen nur ein Augenzwinkern liegt.

Welch grottiger Titel für eine gewitzte Komödie! Die Übersetzung des Originals lautet stattdessen »Was wir in den Ferien gemacht haben«, ein Schulaufsatzthema. Doch was Klein-Mickey und seine Schwestern Lottie und Jess gemacht haben, das spottet jeder Beschreibung. Alles beginnt damit, dass sich Familie McLeod rüstet, um zum 75. Geburtstag von Opa Gordie nach Schottland zu fahren. Die Eltern Abi und Doug leben schon seit einiger Zeit getrennt, schärfen ihren drei Kindern aber ein, dem schottischen Verwandtenclan kein Sterbenswörtchen über die bevorstehende Scheidung zu verraten. Doug will seinen krebskranken Vater, der wahrscheinlich seinen letzten Geburtstag feiert, nicht mit weiteren schlechten Nachrichten belasten.
Nach megastressiger Stop-and-Go-Fahrt von London in Richtung Norden ist ihr Ziel, ein Herrenhaus in den Highlands, auch kein entspannender Ort. Mit Dougs großkotzigem Bruder Gavin, der seine stille Frau und den schüchternen Teenager-Sohn herumkommandiert, können die Kids noch weniger anfangen als mit ihren streitenden Erzeugern. Umso mehr aber mit Opa Gordie, einem zwar siechen, aber coolen Typ, der die Situation sofort durchschaut. Während die Erwachsenen herumstressen und sich in wilde Aktivitäten rund um die Organisation der Megageburtstagsparty stürzen, entzieht sich Gordie dem Bohei und fährt mit den drei kleinen Enkeln lieber an den Strand.
Im Großen und Ganzen ist diese Tragikomödie über Leid und Freud dysfunktionaler Familien vorhersehbar. Doch im Detail liefert das Regieduo Jenkin/Hamilton nicht nur haarsträubende Gags, sondern balanciert so geschickt auf dem nadelfeinen Grat zwischen Komödie und Tragödie, Leben und Tod, dass man beim Zuschauen gelegentlich die Luft anhält. Ihr Film ist im Grunde eine Auskoppelung ihrer preisgekrönten Familien-Sitcom »Outnumbered«, auf deren stilistische Machart sie zurückgreifen. Wie bei einem gut geölten Uhrwerk, mit exakt der richtigen Taktung rührender, nachdenklicher und schwarzhumoriger, schriller Momente formt sich das boulevardeske Gruppenbild mackenbehafteter Erwachsener, die alles furchtbar richtig machen wollen und doch fortlaufend scheitern. Nur Gordie (Altstar Billy Connolly) hat sich angesichts des nahen Todes seine kindliche Sorglosigkeit zurückerobert und sieht keinen Grund mehr, sich über irgendetwas aufzuregen. Die bekannteste unter den Darstellern ist zwar Rosamund Pike, die zurzeit einen Lauf hat und gerade als ›femme fatale‹ in »Gone Girl« zu Starruhm kommt. Doch im Wettbewerb um das schönste verkrampfte Lächeln wird sie locker von Amelia Bullmore als Gavins depressive Angetraute ausgestochen.
Der Joker des Films aber sind die spleenigen Kinder, denen wie in der TV-Serie Raum zum Improvisieren gegeben wird. Lotti, die viel zu ernst ist und über die Lügen der Erwachsenen ein Notizbuch führt, Mickey, der für Wikinger schwärmt und Nesthäkchen Jess, das Schlüssel sammelt, sind in ihren kreativen Reaktionen auf das merkwürdige Verhalten der Erwachsenen ein endlos herziges (und mit ihrer Phantasie auch leicht beunruhigendes) Trio. Ihr Grabrede dürfte die kürzeste und tollste aller Zeiten sein: »Auf Wiedersehen! Du warst nett«.

Birgit Roschy

EIN SCHOTTE MACHT NOCH KEINEN SOMMER (What We Did on Our Holiday)
von Andy Hamilton u. Guy Jenkin, GB 2014, 95 Min.
mit Rosamund Pike, David Tennant, Billy Connolly, Celia Imrie, Ben Miller, Emilia Jones
Tragikomödie
Start: 20.11.2014 

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