Drinnen bleiben (103)

Hab ich’s nicht gesagt? Dieser Wunderknabe der Elektromobilität hat mit seinem Volks-Tesla den Mund wohl zu voll genommen. Mit den ersten 1500 Elektroautos im dritten Quartal wollte Herr Musk die Welt beglücken. Eine angesichts von behaupteten 500.000 Vorbestellungen eh schon bescheidene Zahl. Doch der Hügel kreißte und gebar dann lediglich 220 Mäuslein. Womit die von mir letztens prognostizierten trabbiartigen Wartezeiten wohl deutlich in den Schatten gestellt werden. Autobauen ist denn wohl doch kein Deckchen Häkeln, zumal die Gerüchte nicht verstummen wollen, dass da im kalifornischen Hitech-Laden noch nicht einmal die Produktionstechnik von Henry Fords legendärem T-Modell erreicht wurde, sondern das neue elektrotechnische Wunderwerk zu großen Teilen noch in Handarbeit zusammengebaut wird. Na ja, 33.000 Leute – so viele sollen bei Tesla angestellt sein – wollen ja auch beschäftigt sein, um in drei Monaten 220 Autos zusammenzubauen. Und von den 33 Tausend hat er dann auch gleich mal aus Enttäuschung 400 bis 700 gefeuert, weil sie einer nicht näher bekannten jährlichen Bewertung zum Opfer gefallen waren. Und zum Schluss wird das Ding dann wohl doch in China zusammengebaut. Kennt man das ja von den Silicon-Valley-Firmen, die die profane Massenproduktion gerne den flinken chinesischen Händen überlassen. Da wird der Trump aber schimpfen.

A propos Bewertung: Nun geht es vor Gericht, dem höchsten sogar, um das Recht zu erstreiten, unabhängig von der Bewertung in der Abinote doch noch zum Halbgott in Weiß aufsteigen zu können. Da geht es ja immerhin um ganz erkleckliche Jahreseinkünfte, die einem vom unmenschlichen numerus clausus verweigert werden. Mittlerweile reicht ja ein Notendurchschnitt im Abiturszeugnis von 1,1 gerade so, um ohne jahrelange Wartezeiten Medizin studieren zu können. Eins Komma eins – das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Wie kann sowas eigentlich zustande kommen? Das hieße ja in allen Fächern, Deutsch, Mathe, Englisch und allen möglichen Leistungskursen über Biologie, Sport bis zum Deckchen Häkeln (da wären wir wieder im Silicon Valley) eine Eins und einmal eine Eins minus. Das kann mir keiner erzählen, dass das auch nur eine/r von Hundert Abiturienten unter realen Bedingungen schaffen kann. Oder es ist halt nix wert, weil die Lehrer ihren Schülern keine Steine auf ihren Karriereweg legen wollen. Oder wir waren früher zu doof, dass wir über eine 2, immerhin die Note »gut« gejubelt haben.

So, nun kommt’s. Denn auch ich komme nicht umhin, das eine oder andere Wort über die bundespolitische Farbenlehre zu verlieren. Dabei möge man mir verzeihen, dass ich mich schwerpunktmäßig mit dem hanfblattfarbigen Teil der illustren Gesellschaft befasse, die sich da anschickt, unsere neue Zukunft zu gestalten. Der große Alte der grünen Nachkriegsära stieg herab vom Olymp seiner hochdotierten Beratertätigkeit und ließ seine grünen Nachfahren via Spiegel-Interview wissen, auch ein schwergewichtiges Ministerium zu besetzen, wo doch Finanzen, Innen und Kanzler wohl bei den anderen Farben landen werden. Und er empfiehlt dann tatsächlich das Außenministerium, sicherlich zur Freude von Cem Özdemir, obwohl (oder weil?) er weiß, dass dieser Posten der Person wohl dienen mag, zur Gestaltung grüner Politik aber nur wenig beiträgt. Joschka selbst war es doch, der verkündete, es gebe keine grüne oder rote Außenpolitik, sondern nur eine deutsche. Nun gut, man kann damit Bundespräsident oder reich oder vergessen werden (wer war grade noch Herr Gabriel?). Die unsägliche und umweltfeindliche Verkehrspolitik eines Herrn Dobrindt kann damit aber nicht korrigiert werden.

Dann verhandelt mal schön.

Jochen Vielhauer

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