Dresden Frankfurt Dance Company

Zurück zu den Anfängen

Ausblick Bockenheimer Depot: Dresden Frankfurt Dance Company mit »The Primate Trilogy« von Jacopo Godani

Elektronische Klänge durchziehen das Bockenheimer Depot. Der Bühnenboden schwingt und swingt, und schon jetzt – während einer Probe drei Wochen vor der Premiere – ahnt man die leidenschaftliche Körperlichkeit und mathematische Präzision, mit der das 14-köpfige Ensemble (sieben Frauen, sieben Männer) der neuen Dresden Frankfurt Dance Company unter seinem künstlerischen Leiter Jacopo Godani zu Werke geht. Man hört auch der Musik im Zusammenspiel – manchmal auch im Zusammenprall – mit dem Tanz und den Tänzern an, dass sich hier Künstler gefunden haben, die sich gut verstehen und, wie der Choreograf im Gespräch betont, für eine gemeinsame Sache brennen. Seit zehn Jahren arbeitet er schon mit den beiden Musikern von 48nord, Ulrich Müller und Siegfried Rössert, zusammen.
Für die Auswahl seiner völlig neu zusammengestellten Truppe hat sich Godani viel Zeit genommen. Zwei Auditions – eine in Frankfurt und eine in New York – wurden durchgeführt und etwa 800 weitere Tänzer und Tänzerinnen aus aller Welt anhand von eingeschickten Videobändern und Gesprächen gesichtet.
»The Primate Trilogy«, so der Titel der ersten abendfüllenden Choreografie der Company, will uns zurückführen zu den Anfängen menschlichen Verhaltens und zu den Anfängen von Tanz, der uns hier in reiner Form dargeboten werden soll. Dabei zeigt der Rückgriff  auf die Evolutionsgeschichte die Primaten als Lebewesen mit erstaunlichen und vielseitigen Merkmalen und einem Gehirn, das sie zum Denken befähigt. Am Ende steht der Mensch als Krone der Schöpfung.
Auf Basis eines neoklassischen Ballettvokabulars werden viele Facetten und Spielarten von Tanz durchbuchstabiert und auf dem Schwingboden tanzt mit wechselnden Tempi mal das Ensemble gemeinsam, mal als Kleingruppe. Dann wieder treten Einzelne daraus hervor, oder es formieren sich Paare zum Pas de Deux. Auch Spitze ist wieder gefragt. Denn der Tanz auf Spitze beinhalte noch viele Entwicklungsmöglichkeiten und seine Funktionalität sei noch lange nicht erschöpft, betont  Godani. Gleichzeitig sollen Bewegungen, die sich nicht in ein gesellschaftliches und künstlerisches Korsett und  Konzept einbinden lassen, die animalische Seite des Menschen zum Ausdruck bringen.
Im Vordergrund der Inszenierung stünden Tanz und Bewegung als alleinige Kommunikationsform und Sprache, auf die sich die Zuschauer einlassen und deren Zeichen sie entschlüsseln müssen, führt Godani aus. Auch deshalb komme »The Primate Trilogy« ohne Worte daher und vertraue ganz auf die Körperlichkeit der 14 Ensemblemitglieder. Es gelte, so der Company-Chef, die Aufmerksamkeit des Publikums zu erreichen, es immer wieder zu überraschen und zum Träumen und Staunen zu bringen.
Der Choreograf und frühere Tänzer bezeichnet sich gern als »Ein-Mann-Orchester« und zeichnet auch für die Bühne, das Licht und die Kostüme verantwortlich. Er arbeite mit starkem Lichteinsatz. Licht sei für ihn ein wichtiges Medium und bedeutsam für die Dramaturgie seines Stückes. Szenen würden unterscheidbar, und es könnten starke Effekte gesetzt werden.
Schon die Fotos auf den Flyern und Werbeplakaten – eindrucksvoll fotografiert von Dominik Mentzos – signalisieren den Neuanfang nach William Forsythe. Hier sind Mitglieder des Ensembles in den Originalkostümen zu sehen und zeigen Gesicht. Man darf gespannt sein, ob und wie sich die Begeisterung und Leidenschaft  auf das Publikum im Bockenheimer Depot übertragen.

Walter H. Krämer (Foto: © Dominik Mentzos)
Termine: 1.–4. und 7.–11. Oktober, jeweils 20 Uhr
www.dresdenfrankfurtdancecompany.de

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