Dramatische Bühne: Die Fantasy-Nacht

Foto: Dramatische BühneBilbo lässt die Puppen tanzen

Eines kann Conan, der Barbar, überhaupt nicht verstehen: dass es, Gladiator hin, Gladiator her, mit seinem Bauchansatz einfach unschicklich sei, in so kurzen schillernden Kampfhöschen herumzukriegern. Dabei schlägt er sich, von Thorsten Morawietz herrlich tumb in Szene gesetzt, mit ungeheuren Heldentaten auf Odysseus Spuren durch das gefährliche Leben und wird von seinen Feinden wie von seiner dauerzeternden Beziehung (Simone Greiß) doch immer nur auf seine Figur angesprochen. Seine filmisch in Rückblende präsentierten Momentaufnahmen von Kampfszenen in der Arena – Spot an, Spot aus – sind der höchsten Bewunderung wert und schlichtweg begeisternd. Spot 1: Conan reißt einem Opfer die Gedärme aus dem Leib. Spot 2: Conan hält triumphierend das Haupt seines Gegners. Spot 3: Conan wirft mit abgeschlagenen Gliedern. Was für ein Mann!

»Conan, der Barbar« schließt die Trilogie »Die Fantasy-Nacht« auf gewohnte Weise mit so absurden wie wortgewaltigen Dialogen in phantastischen Kostümen, mit tollen Choreographien und einer gewaltigen Dosis Selbstironie. In den beiden anderen Teilen – »Der Hobbit« und »Chucky – Die Mörderpuppe« – wartet das dieses Mal elfköpfige Ensemble mit einer spektakulären Neuerung auf. Zum ersten Mal lässt die Dramatische Bühne buchstäblich die Puppen tanzen. Und zeigt in diesem gewiss nicht einfachen Genre, das inzwischen auch die großen Bühnen erobert hat, ein (weiteres) erstaunliches Talent.

Insgesamt sechs gut halbmeterhohe Figuren mischen etwa als Zwergenschar im Hobbit die Szene auf, wenn sich Bilbo Beutlin (Sebastian Huther) mit Gandalf (Julian König) vom Auenland auf den Weg zur Schlacht mit dem Drachen Smaug macht und dabei sogar Gollum (grandios: Julian König) austrickst. Dabei variiert die Handhabe mit den gliederschlenkernden Holzfiguren. Christoph Maasch und Simone Greiß treten in jeder Hand mit einer Puppe bestückt jeweils gleich dreifach in Aktion; der vom Geist eines Serienkillers okkupierte Chucky wird bei seinen Bluttaten von dreien bewegt; der böse Drache Smaug und der Baum Baumbart werden von bis zu fünf Leuten mit Stangen gespielt, die bis unter die Hallendecke reichen. Die Effekte sind beeindruckend.

Während der Hobbit sehr vergnüglich und Conan gewohnt schräg rüberkommt, wandelt Chucky auf ganz unvertrauten Bahnen. Die Geschichte um die Mörderpuppe, die Regisseur Thorsten Morawietz als »Entertainer des Todes« einführt, ist von Anfang bis Ende gruselig. Selten so geschaudert.

gt
Termine: bis 9. Februar
freitags und samstags 20 Uhr, sonntags 19 Uhr
www.dramatischebuehne.de

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