»Dirty Dancing« zurück in der Alten Oper Frankfurt

Eine überdimensionale Tanzstunde

Als »Dirty Dancing« 2006 in Hamburg seine Europapremiere feierte, war man gespannt, ob das Publikum diesen merkwürdigen Zwitter aus Musical und Tanzshow annehmen würde. Aber die Fangemeinde des zugrundeliegenden, gleichnamigen Kultfilms aus dem Jahre 1987 (und ihres Hauptdarstellers Patrick Swayze), war offensichtlich so groß, dass »Dirty Dancing« über zwei Jahre ›en suite‹ an der Elbe lief. Es folgten mehrere Long-Runs in den Musical-Theatern der Republik, ehe ab 2014 eine Tour-Produktion durch die deutschsprachigen Länder tingelt. Nun gastiert diese bühnentechnisch abgespeckte Version wieder in der Alten Oper in Frankfurt. Wohlweislich firmiert die Show nicht als Musical, um die echten Musical-Fans nicht zu vergrätzen. Denn ein Musical, bei dem die drei Hauptdarsteller nicht singen und ein Großteil der 52 Songs – manchmal auch nur angespielt – vom Band kommen, würde diesen Namen nicht verdienen. Einigen wir uns also auf : »Dirty Dancing – Eine überdimensionale Tanzshow«.
In einem amerikanischen Ferienresort verliebt sich im Jahre 1963 das naive Töchterchen wohlhabender Eltern, Frances »Baby« Houseman, in den Eintänzer des Hotels, Johnny Castle, der auch schon mal als Call-Boy für einsame, ältere Damen seine Gage aufbessert. Als Johnnys Tanz-Partnerin Penny von einem Hallodri schwanger wird und durch die Abtreibung geschwächt ist, springt »Baby« für sie ein. Trotz einiger Hindernisse – Frances´ Arzt-Vater hatte eigentlich einen standesgemäßeren Mann für sein »Baby« vorgesehen, und Johnny wird fälschlicherweise des Diebstahls beschuldigt – tanzen die beiden dann auf dem Saison-Abschlussball ins Happy-end …
Nun, tänzerisch kann man gegen die zu Mambo, Merengue und kubanischen Rhythmen agierenden Darsteller nichts einwenden, auch wenn den Choreografien von Gillian Bruce vielleicht die letzte Dynamik und Originalität fehlt. Das gilt auch für die Live-Band unter der Leitung von Heribert Feckler, die routiniert den Score beherrscht. Der Ungar Máté Gyenei, der den Johnny spielt, wirbelt wie ein Derwisch über die Bühne, hat mit Anna-Louise Weihrauch aber eine ungleich überzeugendere Partnerin an seiner Seite. Das gilt auch für Marie-Luisa Kaster, die zudem schauspielerisch als »fallengelassene« Geliebte berührt. Das restliche Ensemble liefert unter der Regie von Alex Balga professionelles Boulevard. Lediglich, wenn Tertia Botha – die ja schon in der Whitney Houston Song-Revue »Bodyguard« (auch ein Ableger des Musicals) brillierte, mit ihrer kraftvollen Stimme den Kultsong »Time Of My Life« singt, läuft einem doch noch eine Gänsehaut über den Rücken.

Rolf-Ruediger Hamacher (Foto: © Jens Hauer)
Termine: 19.12.2017 bis 7.1.2018

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