Die Regierung: Wieder von vorn

Es gibt ja viele Bands, deren Wirkkraft den äußeren Erfolg bei weitem übersteigt. Die Regierung ist dafür ein gutes Beispiel, irgendwann in den 80er Jahren von Tilman Rossmy gegründet, einem Großmeister der nuschelnden Lakonie. Ihr erstes, stürmisches Album, »Supermüll«, blieb ein Geheimtipp, vor ein paar Jahren aber erklärte es die SPEX, noch immer das meinungsstärkste Pop-Magazin des Landes, zur »besten deutschsprachigen Platte der 80er Jahre«. »Unten« wiederum, 1994 erschienen, gilt vielen als das wichtigste Werk der Hamburger Schule, doch bekannt wurden andere, Tocotronic, Blumfeld, Die Sterne.
Umso überraschender, dass mehr als 20 Jahre später noch einmal ein Regierung-Album auf den Markt kommt. »Raus« macht fast bruchlos da weiter, wo »Unten« aufgehört hat, nur sind die schnoddrigen, aber immer auch ganz genauen Beobachtungen Rossmys diesmal aus der Perspektive eines bald 60-jährigen Mannes geschrieben. Musikalisch rumpelt es etwas weniger, dafür bekommt der Synthesizer mehr Platz und Lloyd Coles »Like Lovers Do« ein hinreißendes deutsches Cover: »So wie ein Liebhaber«.
Natürlich ist das Alt-Herren-Musik. Aber sie ist dabei völlig unpathetisch und frei von Nostalgie. Und sie kann noch immer auf diese eigentümliche Rossmy-Art berühren. »So sehr kann man sich gemeint fühlen«, schreibt Sterne-Frontmann Frank Spilker im Begleittext. »Jedes Wort ist ein Stützpfeiler, kein einziges könnte man weglassen. So entsteht ein Gefühl von Nähe und Authentizität – und die emotionalen Momente der Lieder. Das macht man nicht einfach so. Das ist ein Riesentalent.«

Tim Gorbauch
Die Regierung: Raus
(Staatsakt/Caroline International)

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