Die Interkulturelle Bühne in Bornheim zeigt »Hedda Gabler«

Ehrgeiz und Leidenschaft

Gesellschaftliches Ansehen – mehr hat Hedda Gabler nicht im Sinn, als sie den vor einer großen Zukunft stehenden Wissenschaftler Jörgen Tesman heiratet. Seine Berufung ist nur eine Frage von Wochen, so scheint es. Dass sie ihn nicht liebt, ist ihr vorher klar, dass er sie schon auf der Hochzeitsreise langweilt, nicht wirklich eine Überraschung. Eine solche kündigt sich allerdings mit dem Auftauchen des Kulturwissenschaftlers Eilert Lövberg an. Der Mann, mit dem Hedda Gabler eine intensive Affäre hatte, schien unrettbar dem Alkohol verfallen. Dank der Zuwendung von Heddas ergebener Ex-Mitschülerin Thea wird Lövberg nicht nur wieder trocken, sondern er findet auch ins Berufsleben, in die Arbeit zurück. Der Mann, mit dem keiner mehr gerechnet hat, wird plötzlich zum großen Konkurrenten für ihren Mann und damit gefährlich. Ehrgeiz und Leidenschaft kollidieren mit tödlichen Folgen.
Ein Krimi? Auch. Denn nicht nur Lövberg, auch Hedda zahlt in diesem Konflikt mit dem Leben. Aber es ist auch eine Parabel dafür, was die herrschenden Verhältnisse individuell kosten und was sie unterdrücken. Denn es gibt ja auch noch Brandt, der das System am besten beherrscht. Das Interkulturelle Theater macht in seiner neuesten Produktion des Ibsen-Stückes den Umgang der Gesellschaft mit Fremden und Außenseitern zur Folie seiner Inszenierung. Unter der Regie von Benjamin Zachriat will die Interkulturelle Bühne zeigen, dass jeder, der den Normen der Gesellschaft »nur unter Druck gehorchen kann, weil sie seinen Bedürfnissen und Werten widersprechen, von (dieser) zerstört wird«.

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Termine: 29. (Premiere), 30. Januar, 20 Uhr.
www.interkulturelle-buehne.de

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