Die Heiterkeit

Tristesse Royal

Die Älteren werden sich möglicherweise an den Pop-Eigensinn der Lassie Singers erinnert fühlen, eine Sternstunde der frühen 90er-Jahre, die viel zu vergessen ist. Andere werden diese verhangene, raue, androgyne, Silben zerdehnende und manchmal auch schlicht grandios gelangweilte Stimme Stella Sommers auf Nico und Velvet Underground zurückführen, auch nicht die schlechteste Referenz. Klar ist jedenfalls, dass Stella Sommers Hamburger/Berliner Band Die Heiterkeit so gar nicht am Pop-Zeitgeist anknüpft, sondern einen ganz eigenen, meist entschleunigten, immer aber enigmatischen Weg sucht.
Nun ist, nach einigen Umbauten innerhalb der Band, das dritte Album der Heiterkeit erschienen, »Pop & Tod I+II«. Weiter wird mit großer Unaufgeregtheit der Ton des Stillstands gepflegt. Eine diesige, verhangene, oft auch spröde Tristesse legt sich über jeden einzelnen Song. Passenderweise lautet der erste Refrain, den man vernimmt: »Hier kommt die Kälte, oh oh oh oh.« Das ist nicht unangenehm, im Gegenteil. Denn das Pathos von Weltschmerz und Einsamkeit ist doch längst auch nur noch ein Spiel. Dieses Wissen haben Die Heiterkeit Bands wie AnnenMayKantereit jedenfalls voraus.

Tim Gorbauch
Die Heiterkeit: Pop & Tod I+II (Buback Tonträger)

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