Die Dresden Frankfurt Dance Company tanzt Stücke von William Forsythe und Rafael Bonachela

Kriechen, Fallen, Strecken, Dehnen

Im Bockenheimer Depot beschert uns die Dresden Frankfurt Dance Company (DFDC) einen gemischten zweiteiligen Ballettabend – erstmals ohne eine Choreografie ihres Leiters Jacopo Godani. Dafür nimmt sie – wie zum Weggang seines großen Vorgängers William Forsythe versprochen – eine von dessen früheren Arbeiten auf: die 16-minütige Choreografie »One Flat Thing, Reproduced« aus dem Jahr 2000, eine hochkomplizierte Versuchsanordnung mit 20 Tischen. Ob der Altmeister selbst vorbeikommt und bei den Endproben sogar letzte Hand anlegt, weiß man nicht. Auf jeden Fall wird es spannend, wenn die Tänzer und Tänzerinnen der Gruppe mit halsbrecherischer Wendigkeit 20 Tische donnernd vorwärts rücken, je fünf in Viererreihen Kante auf Kante, mit Abständen dazwischen, dass gerade noch ein beweglicher Mensch hindurchpasst.
Was man sieht, sind Tänzer, die sich, getrieben von der elektronischen Klang- und Geräusch-Kulisse des Komponisten Thom Willems, in rasendem Tempo zwischen, auf, über und unter den Tischen bewegen: Deren glatte Flächen dienen ihnen dabei zum Kriechen, Fallen, Strecken und Dehnen auf allen Ebenen. »One Flat Thing« bietet dem neuen Ensemble dabei die Möglichkeit, Forsythes Universum zu erkunden.
Der zweite Teil des Abends, »Lux Tenebris« (Licht in der Dunkelheit), ist eine Koproduktion mit der Sydney Dance Company und deren künstlerischem Leiter Rafael Bonachela. Der australische Choreograf steht auf zeitgenössischem Tanz und scheut sich auch nicht vor Ausflügen in die Welt der Popkultur. So arbeitete er schon mit Kylie Minogue und Tina Turner für deren Bühnenshows. Bei »Lux Tenebris« beschäftigt Bonachela der Einfluss von Licht und Dunkelheit auf unsere Stimmungen und auf unsere Erinnerungen an bestimmte Zeiträume in unserem Leben: »Ich wollte eine instinktive Verbindung zwischen den Menschen evozieren und die Spannung hervorbringen, die aus diesen Interaktionen entsteht«, sagt er. Ihn habe bei dieser Produktion besonders der Übergang zwischen dem pechschwarzen und dem gebündelten Licht interessiert, wobei Ben Cisternes Lichtdesign mit Glühbirnen intime Räume erzeugt. Die Musik für »Lux Tenebris« hat Nick Wales komponiert.
Ein zusätzliches Highlight steht nach der Vorstellung am 10. September an. Dann begibt sich der Musiker, DJ und Entertainer Shantel, ein guter Freund der Company, mit seiner Band, dem Bucovina Club Orkestar, und Mitgliedern des Ensembles auf die Bühne, um dem Publikum mächtig einzuheizen.

Walter H. Krämer (Foto: © E.Zeizig)
Termine: 8.–11., 14.–19. September, jeweils 20 Uhr im Bockenheimer Depot
www.dresdenfrankfurtdancecompany.com

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