DFDC: Jacopo Godanis Zweiteiler »New Creations« geht neue Wege

Jetzt wird‘s auch noch romantisch

Noch wird geprobt. Noch wird gefeilt. Noch gibt es keine Titel für die beiden neuen Stücke, die im Paket als »New Creations« der Dresden Frankfurt Dance Company (DFDC) vom 17. März an im Bockenheimer Depot angekündigt sind und davor – zu spät, weil erst nach dem Redaktionsschluss für diese Strandgut-Ausgabe – im Festspielhaus Hellerau in Dresden Premiere haben.
Exakt 17 Tänzerinnen und Tänzer agieren zu zweit, zu dritt und zu fünft, jedes Grüppchen anders. Bei ihren geschmeidig-eleganten Bewegungen an Schlingpflanzen unter Wasser zu denken, die auf wechselnde Strömungen reagieren, erweist sich als gar nicht mal so verkehrt. Jacopo Godani, Gründer, Choreograf und Direktor der erst drei Jahre alten Tanzgruppe, will, wie er verrät, im zweiten Programmteil des Abends mit phantastischen Mischwesen aus Flora und Fauna neue Wege, choreografisches Neuland, beschreiten.
Der 1967 in La Spezia geborene Italiener umschreibt den Stil der geplanten Aufführung, von der natürlich nicht allzuviel verraten will, mit Attributen wie »lyrisch«, »narrativ«, »poetisch« und »romantisch«, nennt ihn aber auch »sophisticated«. Eine Ahnung davon vermittelt sich, als sich im letzten Abschnitt der Probe zu den bisher lose geübten Figuren und Abläufen eine mitreißende sinfonische Musik gesellt und dem stummen Geschehen plötzlich Anmut einhaucht und Sinn verleiht. Und tanzen sie nicht sogar Blues? Die Musik stammt von Arnold Schönberg (»Verklärte Nacht, Opus 4«) und markiert ein Novum für den Maestro, nutzte er doch bisher vor allem die maßgeschneiderten elektronischen Klangkreationen des Duos »48nord« (Ulrich Müller, Siegfried Rössler).
Den beiden Musikern bleibt indes der gravierend unterschiedene erste Teil von »New Creations« anvertraut, der »punkig«, »eckig«, »athletisch« und »sehr aggressiv« sein werde, wie der DFDC-Direktor wissen lässt. Die Gestaltung der Bühne, die Kostüme und und das Lichtdesign erledigt Godani, der sich in diesem Magazin einmal als ein »One-Man-Orchestra« bezeichnete, nahezu komplett in Eigenregie, allein den Frankfurter Bühnenbildner Matthias Bringmann mit einer »brillanten Bühnenidee« spannt der Allrounder dieses Mal mit ein.
Unübersehbar ist der ausgeprägte Wille des früheren Mitglieds und heutigen Erben der William-Forsythe-Company, auf der Basis der klassischen Ballettkunst die Bewegungssprache weiterzuentwickeln. Auch wenn seine Vorstellung von zeitgenössischer Tanzästhetik weit weg von Unisono-Choreografien siedelt, bleiben Elemente wie der Tanz auf Spitzen doch integraler Bestandteil seiner den individuellen Ausdruck seiner Tänzer und Tänzerinnen betonenden künstlerischen Handschrift.
Dass seine choreografischen Recherchen auf einer fast wissenschaftlichen Beschäftigung mit der Anatomie und der Mechanik des Körpers beruhen, haben die bisherigen DFDC-Tanzabende (»The Primate Trilogy« »Extinction of an Minor Species« und »C.O.R.E«) deutlich gezeigt. In die Produktion von »Extinction« flossen sogar Bewegungsstudien des Senckenberg Naturmuseums mit ein.
Seine noch immer junge Company bringe schon heute eine Komplexität auf die Bühne, zu der auch im internationalen Maßstab nur die wenigsten in der Lage seien, unterstreicht Jacopo Godani selbstbewusst.
PS: Inzwischen sind auch die Titel der beiden neuen Werke des New-Creations-Abends bekannt. Den Auftakt macht »Unit in Reaction« und das diesem nachfolgende hat der Maestro »Al di Là« getauft, was im Deutschen: darüber hinaus bedeutet. Passt doch bestens – demnächst in Bockenheim.

Gisbert Gotthardt (Foto: © Dominik Mentzos)
Termine: Bockenheimer Depot: 17., 18. 21.–25., 27., 28. März, jeweils 20 Uhr
www.dresdenfrankfurtdancecompany.de

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