Deutsches Filmmuseum: Ellen M. Harrington hat sich vorgestellt

Eine Amerikanerin in Frankfurt

Am 16. Januar war es endlich soweit: Ellen Harrington, die neue Direktorin des Deutschen Filmmuseums und des Deutschen Filminstituts, gab ihre erste Pressekonferenz in Frankfurt. Draußen schien gerade die Sonne. Sie hoffe, ein wenig kalifornischen Sonnenschein nach Frankfurt mitgebracht zu haben, sagte sie und lobte das Filmmuseum als ein »würdiges Zuhause« der gesammelten Kinoschätze und ihre Vorgängerin Claudia Dillmann und die Mitarbeiter in den höchsten englischen Tönen, übersetzt: »Es ist zwar ein weiter Weg von Los Angeles nach Frankfurt, aber ich habe mich hier im Filmmuseum sofort heimisch gefühlt unter lauter exzellenten Filmexperten, einer starken Gemeinschaft von Filmliebhabern und einem unterstützenden Vorstand.«
Besonders stolz über die Verpflichtung der Amerikanerin hatten sich zuvor der Vorstand des Filminstituts, Dr. Nikolaus Hensel, und die Kulturdezernentin der Stadt, Dr. Ina Hartwig, geäußert. »Mit der Amerikanerin und Spezialistin für den europäischen Film begrüßen wir eine hochkompetente Fachfrau aus der Welthauptstadt des Films, die sich ganz gewiss auf inspirierende Weise einbringen wird«, sagte die Dezernentin. Gut, dass die neue Direktorin noch nicht alles verstanden hat, sonst hätte sie vermuten können, sie sei in der tiefsten Provinz gelandet.
Aufgabe und Anliegen des mit dem Filmmuseum verbundenen Deutschen Filminstituts will Ellen Harrington klarer vermitteln. Die Außendarstellung des Hauses will sie verbessern, und obwohl sie den beiden Institutionen schon einen hohen Stellenwert in Europa attestierte, will sie die Strahlkraft des Museums noch erhöhen. Dazu plant sie beispielhafte Ausstellungen, die auch für andere Orte attraktiv sein werden. Vorbild dürfte die mittlerweile legendäre Kubrick-Ausstellung sein, die seit 2004 rund um den Globus reist. In diesem Jahr wird die Entstehungsgeschichte von Kubricks »2001 – A Space Odyssey« samt Ausstattungsstücken vom 21. März bis 16. September präsentiert werden. Da sollten die guten Beziehungen des Filmmuseums zu Kubricks Familie hilfreich gewesen sein.
Frau Harrington war nach ihrem Studium der Film- und Literaturtheorie und einem Produktionsengagement bei Warner Bros. Kuratorin vom Academy Museum of Motion Pictures in Los Angeles, das sie mitaufgebaut hat. Mit dem Deutschen Filmmuseum hat sie mehrmals zusammengearbeitet, insbesondere bei der Ausstellung »And the Oscar® Goes to … 85 Jahre ›Bester Film‹«. Sie spricht mehrere Sprachen und beschäftigt sich gerade intensiv mit der deutschen. Zwei Sätze zeugten von ersten Lernerfolgen.
Mitarbeiter des Hauses berichteten im kleinen Kreis, dass sie schon in einigen Kinovorstellungen gesehen wurde. Das ist auf jeden Fall ein vielversprechender Anfang.
Mit dem vor zehn Jahren verstorbenen amerikanischen Filmregisseur Curtis Harrington ist sie übrigens nicht verwandt. Sie seien aber miteinander befreundet gewesen und hätten sich spaßeshalber auch gerne als Cousins ausgegeben.

Claus Wecker

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