Das geht ja gut weiter (60)

… hier die auf Grund der Verschiebung ins Internet in jovis System hängen gebliebene März-Meckerei fürs Aprilheft und daher nicht von wirklicher Tagesaktualität:

Ob’s jetzt an meinen wunderbaren Meckereien liegt oder dem allgemeinen kulturellen Informationsbedürfnis, Redaktion und Geschäftsführung des strandgut benötigten meinen Stammplatz im Heft für schnöden Kommerz. Als Trostpflaster wurde mir dann die Internetveröffentlichung angeboten: immerhin statt ca. 50zig Tausend Heftlesern eine Millionenschar potentieller Leser und Leserinnen. Diese Aussicht weltweiter Wichtigkeit versöhnt.

Nicht versöhnt allerdings habe ich mich mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunkwesen. Endgültiger Kracher war – wie kann es anders sein – der weiße römische Rauch, der uns da gebührenfinanziert das Vorabendprogramm vermieste. Also UNS vielleicht nicht allen, aber mir und etlichen meiner ungläubigen Nicht-Glaubenskollegen sicherlich. Nun bin ich als ehemaliger Evangele ja grundsätzlich tolerant, auch wenn in meiner Jugend im Nordelbischen die Hinrichtung von Maikäfern, die alle vier Jahre als Plagegeister die frischergrünten Bäume und Sträucher leerfraßen, gemeinhin als „katholisch machen“ umschrieben wurde. Auch dem einen oder anderen Muslim geht es sicherlich an diversen Körperregionen vorbei, ob da im fernen Rom ein älterer Herr von einer Gruppe ebenso alter Herren zum Oberhaupt einer – zugegeben nicht ganz unbedeutenden – Religionsgemeinschaft ausgekungelt wird.

Würd mich eigentlich nicht weiter stören, weil es ja schließlich für einen Teil der Welt eine ganz tolle Sache ist, die Live-Übertragung von schwarzem oder weißem Rauch zu sehen. Stören aber tut mich, dass wir, also wir GebührenzahlerInnen, zwei vollwertige Anstalten für diese Schall- und Rauchübertragung finanzieren. ARD und ZDF jeweils mit eigenem Team, mit eigener Programmunterbrechung und ohne öffentlich-rechtliche Alternative für all uns Ungläubige. Wäre bei so einem Ereignis, das üblicherweise ja nur alle Jubeljahre stattfindet, vielleicht noch zu ertrage, gäbe es da nicht ständig die Doppelfinanzierung: so haben ARD und ZDF zwar ein angeblich gemeinsames Frühstücksfernsehen, bestückt aber mit zwei separaten und damit doppelt finanzierten Redaktionen. Jedes größere Sportereignis wie Olympiaden oder Fußballweltmeisterschaften wird natürlich von beiden Sendeanstalten parallel beschickt. Zwar wechselt man sich tageweise ab, aber es ist kaum zu vermuten, dass die jeweils andere Redaktion dann nicht bezahlt wird.

Und das Ganze geht natürlich weiter: in jeder Ecke dieser Welt haben beide Anstalten eigene Korrespondenten und entsprechende Büros. Sollen sie ja haben, wenn ich es nicht bezahlen muss. Nun muss man ja sogar den Öffentlich-Rechtlichen Lernfähigkeit zugestehen, denn immerhin sind sie beim Überlegen oder gar schon beim Plannen, ihre ganzen digitalen Sondersender mal zusammenzulegen. Aber dabei muss es ja nicht bleiben: schließlich sind die ARD und ZDF Hauptprogramme ja auch digital. Was spricht auch hier gegen Zusammenlegung? Sicherlich, da sind die Regionalprogramme. Und die könnte man ja durchaus in gemeinsamer Arbeit weiterlaufen lassen.

Um Missverständnissen vorzubeugen: ich bin ein Verfechter DES gebührenfinanzierten öffentliche-rechtlichen Rundfunks und Fernsehens, nicht aber einer der zahlreichen ö-r Spielwiesen und Angebotsverdoppelungen auf unsere Kosten.

 

Jochen Vielhauer

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