Comoedia Mundi: Musik- und Theaterfestival Tangente

Comoedia Mundi – Musik- und Theaterfestival Tangente 2013 (Foto: Ralph Brugger)Till Eulenspiegel am Mainufer

Sie kommen, so will es scheinen, nicht aus unserer Zeit: die Kulturnomaden der »Comoedia Mundi«. Damit ist nicht die Heimat von Fabian Schwarz & Co, das traute Trautkirchen im Frankenland gemeint, sondern das augenfällig an die Wurzeln des Wandertheaters erinnernde Spektakel, das die vagabundierende Truppe seit 30 Jahren insgesamt und seit 1987 in Frankfurt rund um ihre Auftritte veranstaltet.

Als die Gruppe in den späten Achtzigern noch in den Parks ihr Zelt aufschlug, zogen Fabian Schwarz und die Seinen regelmäßig in farbenprächtiger Lumpenpracht mit Trommeln, Flöten und Pfeifen durch die Berger oder Leipziger Straße, um für ihre Auftritte zu werben. Das passiert heute zwar eher selten, doch greift Schwarz, wenn’s mal nicht so läuft, noch heute gerne nach dieser Urmethode des Direktmarketing.

Am Auftritt der Spielleute, sprich: an ihren Kostümen, hat sich indes wenig geändert. Es sind die Figuren der nach wie vor bevorzugten Klassiker, denen das Interesse der Comoedia Mundi gilt. Die eines Cervantes, Molières oder Shakespeares. Auch Carl Amerys »Der Aufstieg und Fall Passaus«, das die Gruppe in den beiden vergangenen Jahren spielte, passte da rein, wiewohl dieses auf seltsame Weise futuristisches Öko-Historiendrama in den 50ern des letzten Jahrhunderts geschrieben wurde.

In der neuen Spielzeit steht mit de Costers »Ulenspiegel« wieder ein Werk aus dem 17. Jahrhundert auf dem Plan. Dass sein Protagonist Till nichts mit dem vermeintlichen Spaßbold zu tun hat, an den beispielsweise Petra Roth kürzlich erinnerte, sondern – hochaktuell – von einer Überlebensstrategie in einer todbringenden Zeit, macht es nachgerade zeitlos. Nur als Narr konnte Ulenspiegel seine freiheitlichen Ideen vor dem Terror des 30-jährigen Kriegs und der Inquisition bewahren. In Nürnberg wurde die Aufführung als »taumelnder Szenen-Reigen quer durch Europa« und »wie ein Video-Clip« beschrieben.

Bis zum 6. August stehen Theaterzelt und Wagen am Schaumainkai. Der »Ulenspiegel« wird am 10., 13. und 31. Juli sowie dem 3. August gespielt. Wieder mit dabei sind – unter vielen anderen – das frankfurtaffine Musikkabarettduo Faltsch Wagoni mit dem neuen Programm »Deutsch ist dada hoch 3« am 5. und 6. Juli und das Isabelle Effenberg Trio am 4. Juli sowie Fabian Schwarz’ Lebensgefährtin Loes Snijders, die am 27. und 28. Juli mit dem Josef Emminger-Jazz-Quartett zu einem Chanson-Abend einlädt.

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Alle Informationen unter www.comoedia-mundi.de

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