Comoedia Mundi gastiert noch bis 8. August mit einem bunten Programm am Main

Clash der Kulturen

Sie gastieren schon lange, seit genau 30 Jahren in Frankfurt und davon die meiste Zeit dort, wo sie auch jetzt zu finden sind, zu Füßen des Deutschen Film-Museums und des DAM am Main. Die fränkische Zelttheatergruppe Comoedia Mundi gehört zu den Pionieren der kulturellen Urbarmachung der Sachsenhäuser Fluss-Seite. Ihr Kennzeichen, das sternenblaue Zelt und das nicht minder blaue Café mit dem schönen Namen »Senza Licenza«, schmücken als fester Bestandteil des sommerlichen Stadtbilds von Ende Juli an wieder die grüne Uferkulisse. Belohnt und gelockt werden Besucher nicht nur mit dem schönsten Blick auf die Skyline Frankfurts, sondern eben auch über volle drei Wochen mit spektakulärem Theater für Große und Kleine, mit Jazz-, Swing- und Balladenabenden, mit Parodien und Kabarett.
Die große Attraktion ist in diesem Jahr »Babettes Fest«, die Aufführung der durch den gleichnamigen Film populär gewordenen Novelle von Tanja Blixen in einer hauseigenen Bühnenfassung. Es ist ein sehr subtiles, vielschichtiges Werk, das auf der Basis eines Flüchtlings- und Asylschicksals nach der Niederschlagung der Pariser Kommune im Jahr 1871 nicht weniger als den Clash zweier Kulturen abhandelt, auch wenn es vordergründig nur um eine französische Köchin geht, die den enthaltsamen »Mitgliedern einer pietistischen Religionsgemeinde«, die sie aufgenommen hat, aus Dank etwas köstlich Gutes kocht. In Form von Bierbrotsuppe und Claire des Tortue stoßen religiöser Fundamentalismus und sinnlicher Lebensgenuss aufeinander.
Über das Stück werden wir im August-Strandgut berichten. Es eröffnet mit vier Vorstellungen das Festival am 28. Juni, ist in einem zweiten Block ab dem 15. Juli und schließlich auch zum Finale vom 6. bis 8 August angesetzt. Neben den beiden Comoedia-Mundi-Machern Fabian Schwarz und Loes Snijders treffen wir mit Christine Woike in der Rolle der Martine und dem Regisseur Max Berger zwei der Darsteller aus der Hamlet-Produktion  des vorvergangenen Jahres. Auch in anderen Punkten des immer wieder mit neuen Formaten und Ideen spielenden vielseitigen Programms stoßen wir  auf vertraute Größen der fränkischen Wandertruppe. So beeindruckt die virtuose Loes Snijdes nicht nur regelmäßig als Schauspielerin in den tragenden Rollen, die holländische Allround-Künstlerin tritt auch mit exquisiten Chanson-Programmen, als Jazz-Interpretin und sogar in Kinderveranstaltungen auf. In diesem Jahr lädt die Chanteuse zu einem Weill-Abend (»Ein Weillchen verweilen« 25./26. Juli) und dem »Au revoir Francfort«-Finale am 8. August und  zeigt sich darüber hinaus noch als große  Erzählerin für Kinder (»Frau Sonntags Woche« 16. Juli, 6. August).
Auch Merle Lisek kennen wir aus früheren Produktionen (»Ulenspiegel«). Ihr Soloabend »Secrets«  (17., 18. Juli)  verrät uns vielversprechend »wofür es sich zu schämen lohnt« und verspricht eine anregende Mischung aus Monolog, »nicht-jugendfreier« Performance und Konzert mit vielen(m) Unbekannten. Und Herbert Fischer, Regisseur vieler Comoedia-Mundi-Stücke der vergangenen Jahre, präsentiert mit »Kafka Light – Kafkas Träume« (5., 6. Juli) nicht nur sich, sondern auch den Prager Autor von einer weithin unbekannten Seite. Der Gott der Juden, Christen und Muslime hätte daran seine Freude, wird uns versprochen.
Und es gibt reichlich Musik: Gipsy-Swing von Django Reinhardt mit dem Donati Swing Ensemble, neuen Energy-Jazz von den Jazz-Pistols mit einer futuristisch aufspielenden Vorband namens Future Jesus &The Electric Lucifer (20. Juli) oder Tango »Entre terra y cielo« mit Stephan Grasse und Rafael Kempken. (21. Juli). Ersterer hat für viele Comoedia-Stücke die Musik gemacht, letzterer ist sein in Frankfurt studierender Sohn. Was lag da näher als ein gemeinsames Konzert?
Ein Kessel Buntes, dessen Ingredienzen sich am besten vorab bei einem Drink am Main im Café Senza Licenza studieren lassen, das täglich auch an vorstellungsfreien Tagen geöffnet hat.

gt (Foto: Ralph Brugger)
Bis 8. August am Mainufer, Schaumainkai
www.comoedia-mundi.de

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