Comoedia Mundi: Das 30. Tangentenfestival

Sein oder Nichtsein am Mainufer

Es wurde ziemlich eng in diesem Jahr. Und hätten sich die Unwetter früher über Frankfurt ergossen, so hätte das Tangente-Festival des franko-bayerischen Wandertheaters Comoedia Mundi ausgerechnet zum 30. Gastspiel in der Mainmetropole den angestammten Spielplatz aufgeben müssen. Dort, zu Füßen des Deutschen Filmmuseums, war bis vor kurzem nämlich der Rasen wegen Neusaat und Regenerierung noch eingezäunt. So aber steht, wie es Mitte Juni aussieht, das sternhimmelblaue Zelt der Gruppe wieder an vertrauter Stelle, wie auch das Café mit der schönsten Aussicht auf die Skyline, das Senza Licenza. Mit bester Bewirtung: »Think global, drink local«, haben sich die Theatermacher zum Motto erkoren: Der Espresso delicato ist in Frankfurt geröstet und der Apfelwein von Matsch & Brei gekeltert.
Des Fußballs wegen sind die Termine leicht verschoben, jedenfalls wenn das deutsche Team spielt oder spielen könnte. Das Rückgrat des diesjährigen Programms bildet, wie es sich im Shakespeare-Jahr gehört, die bereits im Vorjahr uraufgeführte »Hamlet«-Fassung von Peter Kaempfe. Der Gründer der Bremer Shakespeare Company hat das Wahnsinnsdrama für nur vier Spieler aufbereitet und lässt so manches und manchen weg. Aber nichts, worauf es ankommt, und schon gar kein berühmtes Zitat. Dabei setzt die Comoedia Mundi erstmals zentral moderne Videotechniken ein und verleiht dem Geist von Hamlets Vater endlich die passende virtuelle Existenz. »Hohen Unterhaltungswert« hat Katrin Swoboda (Strandgut 8/2015) der geglückten Inszenierung zugesprochen, in der die beiden Säulen der Comoedia Mundi, Fabian Schwarz und Loes Snijders zusammen sieben Rollen schultern und Christina Wolke, erstmals dabei, immerhin drei. Neu als Hamlet ist ebenfalls Raffael Luca Oliveira an Bord, der allerdings schon vor vier Jahren im Passau-Stück der Comoedia zu sehen war. Die Termine: 28., 29. Juni, 13.– 16. Juli, 3.– 6. August
Der Hamlet-Darsteller des Vorjahrs und Ulenspiegel des Vorvorjahres, Maximilian Berger,  tritt mit einem eigenen Stück an. Er hat eine Variante von Stevensons »Dr. Jekyll & Mr. Hyde« verfasst, die er überdies selbst inszeniert hat und zusammen mit Patrick Brenner auch spielt. »Jeder hat eine dunkle Seite« lautet das im Stil eines Krimis entwickelte und um Persönlichkeitsspaltung kreisende Stück, das am 30. und 31. Juli gegeben wird.
Wie gehabt ist das sehr kleinteilige, abwechslungsreiche Programm auch in der 2016er Edition von starken Musikbeiträgen geprägt. Die Hildegard-Knef-Hommage »So oder so ist das Leben!« von Anke Jansen und Band (4., 5. Juli) dürfte ein Highlight werden, ein anderes die Hommage an die »Guitar-Legends« des Stefan Grasse Duos (8.Juli), die Alligators of Swing (20., 21. Juli) sind es von jeher. Ein besonderer Abend wird die Lesung mit Loes Snijders und Ulrike Möckel werden: »Erwischt« heißt es am 27. und 29. Juli zu ausgewählten Geschichten von Dahl, Moravia, Wilson, Busch und manch anderen. Immer wieder sonntags gibt es ein Kinderprogramm.

gt (Foto: © Fabian Schwarz)
Vom 28. Juni – 7. August am Sachsenhäuser Mainufer
www.comoedia-mundi.de

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