CD-Tipp

Element of CrimeAlles beim Alten

Element of Crime: Lieblingsfarben und Tiere (Vertigo/Universal)

Sven Regener ist vieles, Romanautor zum Beispiel, Erfinder von Herrn Lehmann, das allein wäre schon Lebensaufgabe genug. Er ist ein Brocken und Quergeist, in Interviews nur schwer zu stellen, sofern er denn überhaupt eines gibt. Seit kurzem ist Sven Regener auch Filmregisseur, gemeinsam mit Leander Hausmann schrieb und drehte er im Herbst 2012 in Berlin Friedrichshagen die wunderbare Groteske »Hai-Alarm am Müggelsee«. Aber wenn man ihn fragt, was er denn als erstes sei, dann antwortet er ganz schnell: Musiker. Kopf, Texter, Sänger und Trompeter von Element of Crime. Das sei die Basis von allem, alles andere, sagt Regener, komme nur dazu.
Man kann die Bedeutung von Element of Crime vielleicht am besten darin bemessen, dass es niemanden gibt, der auch nur annähernd so klingt. Ihre Musik ist unverwechselbar, dabei völlig aus der Zeit gefallen, quer zu allen Moden, die man mit Popmusik so verbindet. Das ist auf ihrem jüngsten Album nicht anders. Nichts an »Lieblingsfarben und Tiere« klingt neu, überraschend, irritierend. Man muss sich nur mal das Eröffnungsstück anhören, »Am Morgen danach«, dieser etwas schläfrige, melancholisch-gelangweilte, aber ganz farbig austarierte Fluss der Musik und darüber Regeners nuschelnde Lakonie, wunderbar.

Tim Gorbauch

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