Caricatura-Museum: Frank Hoppmanns »Animalism«

Große Tiere, kleine Tiere

Wie man seinen Vornamen schreibt, das müsse man Frank(!)furter Journalisten wohl kaum erklären. Aber sein Nachname werde mit Doppel-P geschrieben, pocht der in Münster lebende Illustrator und Karikaturist Frank Hoppmann im Caricatura-Museum auf ›jounalistical correctness‹. Die irgendwie verletzt anmutende Einlassung hat freilich ihre seichten Gründe. Denn ausgerechnet unter seinem Trump-Porträt, das nun das Plakat der Ausstellung »Animalism« ziert und ihm eine ruhmvolle Platzierung auf der Debattenseite der »Los Angeles Times« unmittelbar nach der Präsidentschaftswahl der USA bescherte, wurde sein Name aufs Unkenntlichste entstellt: mit einem Doppel-F.
Seine Objekte entstellt Hoppmann dagegen auf das Kenntlichste, auch wenn das bei Trump keine Herausforderung zu sein scheint. Das unter zerzauster Mähne rosa-farbene Fleischberg-Monster mit Glubschaugen und Zierfingern, das manche als personifizierte Flunder interpretieren, bringt für den Künstler eine zutiefst persönliche Erfahrung aus der Wahlnacht zum Ausdruck. Der bei seinem Auftritt nach dem Wahlsieg wie trunken wankende Mann sei ihm zum allerersten Mal irgendwie menschlich erschienen. Vielleicht hat genau dieser vage empathische Moment die kalifornischen Zeitungsmacher veranlasst, Hoppmanns Arbeit zu nehmen. Nicht eine der deutschen Zeitungen, denen er das Porträt angeboten hatte, habe darauf reagiert.
Schön ist allerdings meistens anders, als Hoppmann zeichnet und malt. Zumindest für die Betroffenen. Unter den vielen Konterfeis der rund 250 Exponate, darunter auch Filme, Skizzen und Installationen, scheinen nur ein Kafka im DINA5-Format und ein Klaus Kinski so, wie man sie auch von anderswo kennt. In der Regel kommen die Porträtierten mit wie aus den Nähten platzenden viel zu großen Köpfen, mit gedunsenen Gesichtern, fett, lädiert oder albtraumhaft als Tier- oder Fantasygestalten daher, ohne dass man immer wüsste, welcher Spezies sie wohl zugehören. Er sehe die Menschen halt so, erklärt Hoppmann lapidar.
Bevorzugt, weil überwiegend als Auftrag entstanden, stehen Prominente der Politik, des Sport und der Kultur im Fokus der Schau: Frank Walter Steinmeier und Andrea Nahles mit kletterwandbreiten Visagen, Joschka Fischer und Kim Yong-un muten wie Puddingberge an, sind aber Jabba-the-Hutt-Imitate (»Star Wars«), Franck Riberys Banlieue-Gebiss ist eine Ruine mit umgestürzten Säulen und Recep Erdogan mit rotem Plastikeimerchen als Fes-Ersatz ein sitzender Clown mit unislamisch überkreuzten Beinen. Ein zweites mit Tusche, einem Fitzel Tesa und toter Fliege gefertigtes Werk zeigt den türkischen Despoten als sadistisches Kindsgemüt: das Superman-E auf dem Leibchen lässt er eine an einen Faden gebundene Fliege zappeln – ganz wie ein Schulfreund das mal getan habe. Es gibt wohl kein Bild, zu dem der 1975 geborene Emsländer keine Geschichte zu erzählen weiß.
Aber nicht nur die Bilder faszinieren. In einer Art Lava-Glas hat der Künstler ein halbes Dutzend toter Fliegen beim anmutigen Auf- und Niederschweben gefilmt. Unterlegt wird der Film mit »Death Is Not the End« von dem ebenfalls in der Galerie vertretenen Nicolas Cave.
Dass Hoppmann neben Promis in Tiergestalt bevorzugt Schweine und Fliegen in Menschengestalt malt, sieht er im Erfahrungsspektrum seiner Heimat Emsland begründet. Unbedingt zu erwähnen ist auch die Abschlussarbeit seines Fachhochschul-Studiums, das er sich als Gerichtszeichner finanzierte: »Spirituosenliebhaberei hat viele Gesichter« hat er seine Serie betrunkener Visagen mit entgleisten Gesichtszügen betitelt.

Lorenz Gatt (Foto: Donald Trump, © Frank Hoppmann)
Bis 3. Dezember: Di.–So. 11–18 Uhr, Mi. bis 21 Uhr
www.caricatura-museum.de

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