Bockenheimer Depot: DFDC zeigt »Extinction of a Minor Species«

Zurück zu den Ursprüngen

Noch ist Zeit bis zur Premiere, noch ist alles im Fluss bei der neuen Kooperation der Dresden-Frankfurt-Dance-Company (DFDC) mit dem Senckenberg Museum. Mitte März steht nur fest, dass für den Soundtrack zur Uraufführung von Jacopo Godanis Arbeit »Extinction of a Minor Species« am 28. April im Bockenheimer Depot, »48 Nord» wieder für den Soundtrack zuständig sein wird. Die Kompositionen von Ulrich Müller und Siegfried Rössert begleiten häufig Godanis choreografisches Schaffen. Auch Live-Musik ist nicht ausgeschlossen, der DFDC-Chef denkt noch darüber nach. Fest steht zudem: Godani sorgt auch dieses Mal nicht nur für die Choreografie, sondern auf für das Licht, die Bühne und die Kostüme.
Und er will die Zusammenarbeit mit der Naturwissenschaft weiter ausbauen. Kultur trifft auf Natur – so ein neuer Schwerpunkt bei Senckenberg: »Ein künstlerischer Ansatz erweitert durch den Perspektivwechsel den rein wissenschaftlichen Blick auf Natur und Mensch und bietet dadurch einen Mehrwert für die Forschenden, die Künstler und auch die Besucher«, meint dessen Generaldirektor Volker Mosbrugger dazu.
Godani will zurück zu den Ursprüngen – des Menschseins, des Tanzes und der jeweils individuellen Natur – frei von jeglichen Konventionen. Der Company-Chef fordert daher viel von seinen 17 Ensemblemitgliedern. Es gehe ihm darum, die Grenzen des menschlichen Naturells zu überwinden, sich frei zu machen von eingeübten Bewegungsfolgen und Mustern, sagt er. Das Potential des eigenen Körpers soll erfahren und tänzerisch ausgeschöpft werden. Indem er seine Tänzer und Tänzerinnen immer wieder dazu bringe, »ihre Grenzen auszuloten und zu verinnerlichen«, erführen sie zugleich, »dass es Dinge gibt, die man nicht lernen kann, sondern die man sich durch Ausprobieren selbst beibringen muss«.
Sie sollen zum Wesenskern des Tanzes vordringen. Frei von unnötigem, vergeistigtem Zierrat. Dabei ist der Tanz oft heftig und gewaltig, voller Dynamik, die nicht nur dem Publikum den Atem raubt. Doch es geht auch anders – weicher, sanfter, melodischer. Mittelpunkt des neuen ungefähr einstündigen Abends wird das Pas de deux »Postgenoma«, das gerade in Rom seine Welturaufführung erlebte und das Godani für »Extinction of a Minor Species« weiterentwickelt. Es sei ein Werk, dessen Wirkung durch die sublime Interpretation von Anne Jung und Gustavo Gomes noch gesteigert werde.
Das Ensemble insgesamt lässt sich immer wieder auf die experimentellen Vorgaben seines Leiters ein. Die Tänzer zeigen sich als formbar und flexibel, und doch besitzt jeder einzelne eine starke persönliche Handschrift und einen Körperausdruck, der sich keinem vorgegebenen Kanon unterordnet. Und so dürfen wir auf das Ergebnis dieser neuerlichen Reise gespannt sein, bei der die Akteure im Übrigen gelegentlich Fetischmasken tragen.

Walter H. Krämer (Foto: © Dominik Mentzos)
Termine: 28.–30. April, 20 Uhr;
weitere Termine im Mai
www.dresdenfrankfurtdancecompany.com

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