Bockenheimer Depot: DFDC tanzt Forsythe und Godani

Mathematische Präzision und Leidenschaft

Ein rasendes Doppel Frankfurter Tanzgeschichte: Ab 21. Oktober zeigt die Dresden Frankfurt Dance Company die Choreografien »Workwithinwork« von William Forsythe und die Frankfurt-Premiere seines Nachfolgers in der Mainmetropole, Jacopo Godanis »High Breed« in einer Neufassung. Die eine geht über 23 Minuten und die andere dauert zwei Minuten länger.
Der Vorhang hebt sich, ein Mann wölbt die Arme nach oben, während sein Körper abknickt, die Tänzer hinter ihm nehmen rasch die Bewegung auf – so startet »Workwithinwork«. Von Beginn an entwickelt sich ein nahezu konstanter Bewegungsfluss – gesteuert von den eindringlichen Rhythmen von Luciano Berios »Duetti for two Violins«. (Duetto per due violini, vol.1 (1979-1983)
Die Kostüme sind von Stephen Galloway, während der Meister selbst auch die Lichtregie führt. Den Kern seines Stücks, das am 16. Oktober 1998 zum ersten Mal aufgeführt wurde, bildet eine Folge schöner Duette – von der kampfeslustigen Begegnung zweier Männer bis zum zärtlichen Pas de deux, in dem eine Frau in Arabeske langsam durch die Luft gehoben wird. Diese von den anderen Tänzern gerahmten und aus ihnen entstehenden Begegnungen sind unpersönlich und doch voller Leidenschaft. So, wie die Tänzer mit der Dunkelheit des Bühnenhintergrunds verschmelzen und aus ihr hervortreten, könnten sie der Fantasie jenes Namenlosen entspringen, der mit dem Rücken zum Publikum dasitzt und sorgfältig kleine, auf eine Leinwand projizierte Dinge arrangiert.
Bei der neu überarbeiteten Choreografie von »High Breed« setzt Jacopo Godani musikalisch einmal mehr auf das Komponisten-Duo 48nord (Ulrich Müller & Siegfried Rössert). Um die Bühne, das Licht und die Kostüme kümmert sich der Ballettchef der DredsdenFrankfurt Dance Company wie gehabt persönlich.
Mit einer physischen Intensität, die bewegungsreich und dermaßen exakt ist, dass sie geradezu mathematisch wirkt, zeigt Godani die Quintessenz der Identität seiner Tanzgruppe. Das Stück verzichtet auf Oberflächliches, legt die Betonung auf eine meisterhafte Beherrschung der Technik und lässt das Publikum Choreografie als Tanzschrift erleben.

Walter H. Krämer (Foto: © Raffael Irace)
Termine: 21., 22., 26., 27., 28., 29. Oktober, jeweils 20 Uhr
www.dresdenfrankfurtdancecompany.com

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