»Big Eyes« ab 23.4.2015 im Kino!

BIG EYESDer große Kunst-Schwindel

»Big Eyes« von Tim Burton

Wenn Tim Burton einem Filmregisseur ein Denkmal setzt, entscheidet er sich für Ed Wood, wenn er das Leben einer Malerin verfilmt, nimmt er sich Margaret Keane vor. Nicht den Arrivierten, den von der Kritik Anerkannten, sondern den Außenseitern gehört seine Sympathie. Egal, ob sie nun mit großer Hingabe krude B-Movies oder kitschige Bilder hervorgebracht haben.

Über Margaret Keanes Gemälde, auf denen einem Kinder mit überdimensionierten Kulleraugen entgegen schauen, kann man durchaus geteilter Meinung sein. Galleristen und Kritiker haben die Augen verdreht, Andy Warhol hat mit seinem Sinn für Pop Art, für populäre Kunst also, die Bilder verteidigt. Reproduktionen sind jedenfalls an unzähligen Wohnzimmerwänden gelandet, eine Erfolgsstory ohnegleichen. Doch noch interessanter ist Margaret Keanes Lebensgeschichte, die Tim Burton in freundlichen, hellen (manchmal überbelichtet erscheinenden) Bildern erzählt.
Soeben geschieden und alleinerziehend, zieht Margaret Ulbrich (Amy Adams) in den sechziger Jahren nach San Francisco, wo sie den Freizeitmaler Walter Keane (Christoph Waltz) kennenlernt.  Beide stellen ihre Bilder auf einem Kunstmarkt aus, Walter spricht die hübsche Kollegin an und wirft ihr vor, dass sie ihre Werke zu billig verkaufe. Walter kommt mit seinem Charme bei Mutter und Tochter gut an, er präsentiert sich als der ideale Familienvater, heiratet Margaret und übernimmt den Verkauf ihrer Bilder. Allerdings hat die Sache einen Haken: Walter gibt sich hinter ihrem Rücken als der Schöpfer der Gemälde mit den großäugigen Kindern aus.
Tim Burton hat seinem Film den Titel »Big Eyes« gegeben, und große Augen machen zuerst einmal die Zuschauer, wenn sie Margaret sehen, wie sie nach kurzem Zögern den Schwindel zulässt. Man muss sich schon die fünfziger und sechziger Jahre mit der strikten Rollenverteilung zwischen den Geschlechtern vorstellen. Da kann es auch passieren, dass eine Frau, auf Ruhm verzichtend zu Hause bleibt und im Geheimen malt, während ihr Ehemann in der Öffentlichkeit den begnadeten Künstler gibt.
Walter ist ein großes Verkaufsgenie, er denkt sich einen Trick nach dem anderen aus, etwa den massenhaften Handel mit Plakaten und Reproduktionen, um den Umsatz zu steigern. Doch als Margaret entdeckt, dass ihr Mann wohl kein einziges Bild jemals selbst gemalt hat, ist es endgültig aus zwischen beiden. Den entscheidenden Anstoß, den Schwindel aufzudecken, geben ihr dann die Zeugen Jehovas mit dem absoluten Gebot, die Wahrheit zu sagen.
Burton profitiert nicht nur von seinen exzellenten Darstellern. Amy Adams spielt Margaret zunächst scheu und beeinflussbar, später aber immer selbstbewusster. Christoph Waltz gibt – nicht ohne bisweilen zu übertreiben – den durchtriebenen Charmeur. In der Gerichtsszene legt er schließlich eine atemberaubende Vorstellung hin. Burton kann bei seiner Geschichte von Täuschungen und Enttäuschungen auch auf erfahrene Drehbuchautoren zurückgreifen. Scott Alexander und Larry Karaszewski haben schon die Vorlagen für hervorragende Biopics wie die beiden Milos-Forman-Filme »Der Mondmann« (Man on the Moon) und »Larry Flint – Die nackte Wahrheit« (The People vs. Larry Flynt) verfasst. Ihnen ist, auch durch Befragung der noch lebenden Margaret Keane, eine perfekte Erzählung gelungen, in der Kunstbetrieb und Frauenbewegung auf äußerst unterhaltsame Art zusammenfinden.

Claus Wecker

BIG EYES
von Tim Burton, USA 2014, 106 Min.
mit Amy Adams, Christoph Waltz, Krysten Ritter, Jason Schwartzman, Terence Stamp, James Saito
Biopic
Start: 23.04.2015

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