Ausblick Tanzfestival Rhein-Main in Darmstadt und Frankfurt

Vom Pas de deux auf Spitzen bis zum ganz normalen Gehen

Mehr als 10.000 Besucher haben im März rund um den Mousonturm die Veranstaltungen der Tanzplattform Deutschland besucht. Der Erfolg dieser Wanderbiennale des Tanzes motivierte die Macher, die dabei entstandenen Strukturen in der Region weiter zu nutzen. Das Ergebnis: Der Mousonturm und das Hessische Staatsballett (HSB) richten in Kooperation mit der freien Tanzszene der Region das erste Tanzfestival Rhein-Main mit internationaler Beteiligung aus. (30.10.–13.11.) Geplant ist zunächst eine dreijährige Erprobungsphase, wobei Frankfurt immer mit von der Partie ist, die Städte Darmstadt und Wiesbaden im Wechsel.
Eröffnet wird das Festival mit der Premiere des Tanz-Triptychons »Spiegelungen« des HSB in Darmstadt, das drei verschiedene choreografische Handschriften präsentiert. So lässt Wayne McGregors »Infra« 16 Tänzer auf Spitze tanzen. In der Regel sind die Soli, Pas de deux und Gruppensequenzen des Haus-Choreografen vom London Royal Ballett sehr emotional und voller visueller Ausstrahlung. Den zweiten Teil choreografiert Tim Plegge, der Direktor des HSB-Ensembles, selbst. Plegge beschreibt seinen Ansatz, sich hierbei ganz auf die künstlerische Intuition zu verlassen, als Abenteuer. Abgeschlossen wird der Abend mit »Left Right Left Right«, einem Erfolgsstück des Schweden Alexander Ekmann, das die Zuschauer schon in der Produktion »Aufwind« bejubelten. Unterstützt von zwölf Laufbändern auf der Bühne perfektionieren 28 Tänzer mit einem Höchstmaß an Konzentration, Timing und Rhythmus das ganz normale Gehen.
Weiter im Programm: Paula Rosolen / Haptic Hide (s. Strandgut 7/2016) zeigt eine weiterentwickelte Form ihrer Choreografie »Puppets«, deren Augenmerk nicht den Marionetten, sondern den Bewegungen der Puppenspieler gilt. Die Gruppe MAMAZA macht in »In Act and Thought« von Fabrice Mazliah die Sprache zum Ausgangspunkt von Bewegungen und lässt im unmittelbaren Kontakt mit dem Publikum neue Ideen und Aktionen entstehen. Mit »In Act and Thought« verabschiedete sich im vergangenen Jahr die Forsythe Company, deren Mitglied Mazliah früher war, aus Frankfurt. Gezeigt wird nun eine neue Version für nur sechs Tänzerinnen und Tänzer.
Außerdem noch zu sehen: die Gruppe L-E-V mit »OCD Love« (handelt von einer neurotischen Störung, die immer wieder das Leben und die Liebe einschränkt), die Compagnie Kadidi mit »Samedi Détente« (nimmt die Zuschauer mit von Europa nach Afrika, aus der Gegenwart in die Vergangenheit) , Jérome Bel mit »Gala« (mit Tanzprofis und -amateuren aus der Region), die Londoner Candoco Dance Company (sieben Tänzer, manche mit, manche ohne Behinderung) und die Compagnie Nacera Belaza mit »La traversée« und »Sur le fil« (verbinden Ritual und Alltag, nordafrikanische Körperpraktiken mit westeuropäischen Tanzstilen). Ergänzt wird das Festival durch Workshops, Partys und Gesellschaftstänze zum Mittanzen beim gemeinsamen Tanztee am Sonntag, den 6.11. ab 13.15 Uhr im Foyer des Staatstheaters Darmstadt.

Walter H. Krämer (Foto: © Regina Brocke)
Bis 13. November im Staatstheater Darmstadt, Mousonturm, Ffm-LAB
www.tanzplattformrheinmain.de

 

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