Ausblick Schauspiel Frankfurt: Christian Brey inszeniert Woody Allens »Husbands and Wives«

Emotionale Berg- und Talfahrt mit deutschem Kino-Ton

Schon möglich, dass manche am Schauspiel Frankfurt derzeit abendliche Stoßgebete gen Himmel schicken, alles möge ruhig bleiben um die anstehende Bühnenadaption des Woody-Allen-Films »Husbands and Wives«. Die Komödie von 1992 gilt schließlich als Markstein in der Vita des US-Regisseurs, der mit dieser »unsere Muster des Paarlebens (befragt), in die er sich selbst mit verschiedenen Adoptivtöchtern skrupellos verstrickte«, wie es die Ankündigung elegant formuliert. Dass die Aufdeckung des Verhältnisses Allens zur Adoptivtochter seiner Frau Mia Farrow während der Dreharbeiten darin durchaus spürbar ist, galt bislang eher als cineastischer Reiz, spielen beide doch in zentraler Rolle. Schon möglich also, dass die aktuelle US-amerikanische Moraloffensive Allen noch viel stärker in den Fokus rückt.
Diese Aufmerksamkeit hatte bei der Wahl des Films als Vorlage für ein vergleichsweise leichtes Bühnenpendant zu all dem schweren Stoff von »Richard III« bis zum »Siebten Kreuz« gewiss niemand im Sinn. Ausgesucht hat die Komödie Regisseur Christian Brey, weil sie am Beispiel zweier Paare mit feinsinnigem und zielgenauem Witz die kritischen Phasen jeder ernsthaften Beziehung beleuchtet, wobei nicht jeder evozierte Lacher ein befreiender ist. Der Theatermacher ist sich sicher, dass das Frankfurter Publikum sich in vielen seiner 29 Szenen wiedererkennt, handele es sich bei den Protagonisten doch, wie stets bei Allen, um eher kulturaffine Städter des gehobenen Mittelstands.
Angestoßen wird die prominent besetzte Handlung damit, dass Jack (Sydney Pollack) und Sally (Judy Davis) ihren verblüfften Freunden Gabe (Woody Allen) und Judy (Mia Farrow) ankündigen, sich fürs Erste voneinander zu trennen. In Vor- und Rückblenden verfolgt der Film fortan bei gewohnt opulentem – und herrlich befriedigtem – Redebedarf die emotionalen Berg- und Talfahrten des Quartetts, das auf unterschiedlichsten Wegen seine Beziehungen hinterfragt. Bis am Ende wie erwartet alles anders kommt, als anfangs gedacht. Einen besonderen Effekt verleiht dem Film die dokuhafte Einschaltung einer Stimme aus dem Off, der die Figuren in szenischen Einschüben nachträglich Rede und Antwort stehen.
Ein starkes Stück Kino und gewiss auch ein prima Stoff für eine Komödie. Christian Brey, der in Bochum bereits »Matchpoint« inszeniert hat, hält Allens pointierte Dialoge ohnehin ideal für das Theater (was ja reichlich geschieht), zumal ihr hintergründiger Witz ohne Zooms, Cuts und Ortsblenden live gespielt noch gewinne. Der 44-Jährige entdeckte als Schauspieler in Stuttgart seine Neigung für das lustige Fach, der er über seinen damaligen Kollegen Harald Schmidt bis in dessen Late-Night hinter den Kulissen nachging. In Frankfurt hat Brey 2014 erfolgreich David Gieselmanns Groteske »Container Paris« inszeniert.
Auf einer Bühne, die wesentlich abstrakt gehalten werden soll, stehen Friederike Ott (Judy), Matthias Redlhammer (Gabe), Anna Kubin (Sally) und Sebastian Kuschmann (Jack) im Fokus. Die Rolle von Liam Neesons Michael und andere übernimmt Gastspieler Benjamin Güter, die von Juliette Lewis‘ Rain das Studio-Mitglied Christina Thiessen. Schöner Coup: Für die Stimme aus dem Off wurde Woody Allens Synchronsprecher Wolfgang Draeger gewonnen. Schon eingeprägt haben sich den Frankfurtern Friederike Ott als Marie in »Woyzeck« und Matthias Redlhammer, der natürlich Hornbrille tragen wird, als Arzt in »Woyzeck« und Vater von »Rose Bernd«. Die Nachfrage ist schon jetzt enorm.

Winnie Geipert (Foto: Christian Brey, © privat)
Termine: 9., 10., 13., 25., 26., 29. Dezember zu unterschiedlichen Uhrzeiten
www.schauspielfrankfurt.de

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