Ausblick Mousonturm: Trisha Brown Dance Company mit Bühnenstücken von 1979–2011

Abschied von der alten Avantgarde

Die Choreografin Trisha Brown (*1936) gehört zu den Leitfiguren des US-amerikanischen »Post Modern Dance« und ist Wegbereiterin des »Pure Movement«. Mit frühen Werken gastiert ihre Company jetzt im Mousonturm. Zitat Brown: »Pure Movement, reine Bewegung ist eine Bewegung, die keinen Sinn transportiert. Sie ist weder funktional noch pantomimisch. Ich nutze reine Bewegung als eine Art Aufschlüsselung der Fähigkeiten des Körpers. (…) Ich drehe Phrasen um, lasse sie rückwärts laufen oder deute eine Handlung an, die dann unvollständig bleibt oder komplett übertrieben wird. (…) Wenn Sie mich für eine Maurerin mit Sinn für Humor halten, fangen Sie an, mein Werk zu verstehen.« Sie hat mit der 1970 gegründeten Trisha Brown Dance Company international mehrere Tänzergenerationen beeinflusst und wurde auch innerhalb des Kunstkontextes rezipiert. Als sie 1976 erstmals Teile ihrer Arbeiten in Deutschland präsentierte, waren Publikum und Presse noch sehr von ihrer radikalen Haltung irritiert.
Am Mousonturm zeigt ihre Company nun letztmalig frühere Arbeiten in Deutschland, bevor Brown ihr Bühnenrepertoire Ende 2015 für immer aufgibt. Zu sehen sind Schlüsselwerke wie »Solo Olos« (1976), »Son of Gone Fishin´« (1981), »Set and Reset« (1983), aber auch das neuere »Rogues« (2011).
»Early Works« umfasst Arbeiten von Trisha Brown, die zwischen 1968 und 1975 entstanden sind. Gleichwohl spielerisch, sind es rigorose Stücke, die ursprünglich für Orte wie Lofts oder Kunstgalerien, aber auch für Außenräume geschaffen sind und die Grenzen zwischen Tanz und Installationskunst verwischen. Wesentlich für diese Arbeiten ist die Nutzung von Architektur, bis hin zu Wänden und Hausfassaden. Es sind Werke, die vom Fallen handeln und seinem Gegenteil sowie von allem dazwischen. Sie versuchen zugleich, dem Zuschauer ein eigenes Verständnis von Raum und Bewegung zu vermitteln.
Über die Aufführung in Berlin schreibt die »taz«: »Was für ein fröhlicher Abschied! Leicht, flirrend und verspielt sind die vier Tanzstücke (…) Beinahe scheinen die Tänzer zu fliegen, werden gehoben und durch die Luft geschoben, steigen über Knie und Schultern der anderen aufwärts und abwärts. (…) ›Everyone reverse‹, die letzte Sequenz rückwärts tanzen, ruft einer der Tänzer in ›Solos Olos‹ seinen Kollegen zu. Was nach trockener technischer Anweisung klingt, entfacht Bewegungswitz und Konzentration, der wie ein Funke von den jungen Tänzern auf das Publikum überspringt.«
Etwas hört auf, etwas anderes fängt an. Der leise Rückzug von Trisha Brown ist vielleicht ein Hinweis, sich von den alten Avantgarden zu verabschieden.

Walter H. Krämer (Foto: © Ian Douglas)
Termine: 1., 2. Dezember, jeweils 20 Uhr
www.trishabrowncompany.org

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