Ausblick Kammeroper im Palmengarten: »Don Pasquale«

Macht, Sex und Eifersucht

Als einen »Maestro Orgasmo« haben seine Zeitgenossen den Komponisten Gaetano Donizetti  (1797–1848) aufgrund seiner hohen musischen Zeugungskraft karikiert. Für eine Oper hat der Italiener mitunter nicht mehr als zehn Tage gebraucht, auf 75 Opern brachte er es am Ende. Für Rainer Pudenz, den Leiter und Regisseur der Frankfurter Kammeroper, ist »Don Pasquale« der eigentliche Höhepunkt des Schaffens Donizettis und gesanglich wie musikalisch deutlich anspruchsvoller als die viel häufiger gespielten Opern »Lucia di Lammermoor« und »L’elisir d’amore«. Zur dieser Vernachlässigung trage auch der detailreiche und eher intime Rahmen des von einem subtilen Wortwitz getragenen Werkes bei, das nicht wirklich für die große Bühne geeignet sei. Für die Orchestermuschel im Frankfurter Palmengarten sei »Don  Pasquale« deshalb ideal, zumal es auf Deutsch und selbstverständlich ohne Übertitel präsentiert werde. Was auf der Bühne verhandelt werde, kriege dank der vielen Wiederholungen in Arien und Duetten ohnehin jeder mit.   
Die 1843 in Paris uraufgeführte Arbeit gehört überdies zu dem zünftigen, volksnahen Genre der Komischen Oper (opera buffa), die zum Amüsement des Publikums die Gefühle ihrer Protagonisten gerne Purzelbäume schlagen lässt. Das geht auch dem alternden Junggesellen Don Pasquale so, als er seinen mutmaßlichen Erben Ernesto reich zu verheiraten versucht. Weil der aber seine Norina liebt und partout nicht will, beschließt Pasquale verärgert, ihm das Erbe zu verbauen und selbst zu heiraten. Dumm nur, dass er dabei einer Intrige auf den Leim geht und die von seinem Hausarzt Doktor Malatesta anempfohlene Klosterschülerin Sofrina, in Wahrheit Norina, ihm höchst absichtsvoll das Leben zur Hölle macht. »Es geht vor dem Hintergrund des ewigen Konflikts von Alt gegen Jung um die Macht des Geldes und die der Sinne, um Liebe, Sex, Neid und Eifersucht«, freut sich Pudenz auf vertraut pikantes Terrain und verspricht dafür einige schlüpfrige Überraschungen.
Nicht ganz so flutscht es, Pudenz zufolge, wenn die anspruchsvollen Gesangsrollen zu besetzen sind. Umso froher ist er, für den lyrischen, hohen Sopran der Norina die im Vorjahr (»Die lustige Witwe«) entdeckte Martina Unruh gewonnen zu haben. Pudenz traut Unruh eine ähnliche Karriere zu wie seiner früheren Diva Christine Graham, die im Herbst an der Oper Frankfurt debütiert. Im Basso Buffo des Don wechselten sich Bernd Kaiser und Thomas Peter ab, während Malatesta (Bariton) von Daniel Pohnert und Ernesto (Tenor) von Karol Bettley gegeben werden.
Dass das zeitlose Thema weder zum barocken Kostümfest noch modernistisch ausartet, wird von Margaret Berghoffs Phantasie und Mateo Vilagrasas Bühneninstallationen garantiert. Das Dirigat liegt wie seit sechs Jahren gehabt in den Händen von Florian Erdl, inzwischen erster Kapellmeister und stellvertretender Generalmusikdirektor in Flensburg.

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Termine: 24., 25., 26., 29., 31. Juli, jeweils 20 Uhr, weitere im August
www.kammeroper-frankfurt.de

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