Art Foyer DZ-Bank: Jubiläumsausstellung Konzept

Art Foyer DZ-Bank: Jubiläumsausstellung KonzeptStehende Wasser, schwebende Stühle

Mein Favorit ist der fliegende Hocker. Ein Fotodoppel, das den kometenhaften Flug eines durch ein Fenster katapultierten Sitzschemels festhält. Wie ein himmlischer Stern schwebt er über einer fast märchenhaften abendlichen Gebirgswaldlandschaft. Es gehört wie die drei Aufnahmen eines zu Boden knallenden, mit Wasser gefüllten schwarzen Ölfasses zu Roman Signers Serie von »Zeitskulpturen«. Beide Arbeiten werden im Art Foyer der DZ-Bank am Platz der Republik gezeigt, wo das Geldhaus mit der Jubiläumsausstellung »Konzept« ein wenig sich selbst als Kunstsammler feiert.

Vor exakt 20 Jahren hat das frühere Institut der Volks- und Raiffeisenbanken begonnen, gezielt Kunst zu kaufen und den Fokus auf zeitgenössische Fotografie und deren Versuche gerichtet, sich vom Klumpfuß des bloß Dokumentarischen zu befreien. 7.000 Arbeiten von über 700 Künstlern kamen so zusammen, 77 davon von 46 Künstlern, stehen nun aus und belegen, dass das Konzept, auf Konzeptkunst zu setzen, auch keine schlechte Geldanlage sein dürfte. Mit Gerhard Richter, Josef Beuys, Erwin Wurm oder Siegmar Polke finden sich prominente Namen, die man hier nicht sofort vermuten würde, sowie unter vielen anderen John Baldessari, Christian Boltanski, Jochen Gerz, Roni Horn, Thomas Ruff und Cindy Sherman.

Als theoretisches Rüstzeug möge hier die im Begleitheft zitierte alte Forderung von Marcel Duchamps genügen, dass die Kunst sich weg von der Retina, der Netzhaut, hin zur »cosa mentale«, dem Geist, bewegen müsse, dem die Konzeptkünstler so etwa ab 1960 folgten. In der Galerie sind die Exponate in eine Art anatomische Ordnung gebracht, die vom Kopf (oder der Idee) zum Körper (oder der Landschaft) hin zur Bewegung von Körpern oder Sachen leitet. Spektakulär in jedem Sinne ist Damon Almonds schlafender Wasserfall, »Falls Sleep«, der in Japan in einem fünfteiligen Zyklus von 24 Stunden das tägliche Auftauen aus der Nachtstarre, Fließen und Erfrieren der von den Klippen stürzenden Wasser festhält. Etwas Zeit auch für das hervorragende Begleitheft sollte sein, der Eintritt ist frei.

Lorenz Gatt
Bis 17. August; Di.–Sa.: 11–19 Uhr;
www.dzbank-kunstsammlung.de

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