Art Foyer der DZ-Bank: Axel Hüttes »Ferne Blicke«

Scharfe Kanten, fahle Farben

Sieht ja aus wie gemalt. Das ist der Standardkommentar in der öffentlichen Rezeption der Landschaftsbilder des Düsseldorfer Fotografen Axel Hütte.  Mit Andreas Gursky und Thomas Ruff gehört der 1951 in Essen geborene Künstler zu den bekanntesten Absolventen der renommierten Becher-Fotoschule der Kunstakademie in der NRW-Hauptstadt. Anfänglich als Filmemacher engagiert, steht Hütte für die Befreiung der Fotografie aus dem dokumentarischen Korsett – zunächst im städtischen Raum, dann in der Landschaft.
Im Art Foyer der DZ-Bank schließen seine Arbeiten nun einen auf die Landschaftsfotografie fokussierten, mehrteiligen Ausstellungszyklus, der vor einem Dreivierteljahr mit der von dem Alte-Oper-Chef Stephan Pauly kuratierten Schau »Road Atlas« (Strandgut 5/2015) begann. Die Auswahl aus den 81 seiner Arbeiten im Besitz der Kunstsammlung des Geldhauses und deren Hängung hat Leiterin Christina Leber dem Künstler selbst überlassen. Da seine Karriere Hand in Hand mit dem Aufbau dieses auf zeitgenössische Fotografie spezialisierten Kunstdepots ging, das inzwischen mehr als 7.000 Werke umfasst, schlägt Hüttes nun unter dem Titel »Ferne Blicke« vorgestellte Auslese von exakt einem Drittel seiner Werke einen knapp 30 Jahre weiten Zeitbogen über sein weltumspannendes Schaffen.
Vom Rheingau bis Japan, nach Südamerika und in die USA, über neun Länder und vier Kontinente führt die Schau. Nicht nur Menschen sucht man auf ihnen vergeblich, oft sind selbst die vorgestellten Landschaften nur zu ahnen, geschweige denn identifizierbar: Er suche keine fertigen Landschaften, sondern Stimmungen, die er selbst mit diesen verbinde, berichtet er: »Seelenlandschaften«. Seine Bilder entstünden im Kopf, ihre Realisierung sei Ergebnis einer mitunter sehr aufwändigen Suche, berichtet er von mehrtägigen Berg- oder Flussexpeditionen in Asien, oder Südamerika, von Wanderungen und meditativer Versenkung.  
Es obliege dem Betrachter, die aus bauschigen Wolkenschaumbädern lugenden Gipfel oder das schattige Dunkel eines japanischen Friedhofs weiterzudenken und zu vollenden.  Im scharf gekanteten Anschnitt eines ockerfarbenen Landhauses im wuchtigen Vordergrund öffnet sich die auch farblich abfallende, fahl verschwimmende Mona-Lisa-Landschaft von San Donato 1992. Der Blick in die weiße Leere durch die Fensterwandfront einer Fabrik- oder Lagerhalle in Punta á Elsa nahe Florenz mutet wie das Werk eines Konzeptkünstlers an, dem es nur um geometrische Formen und Farbkontraste geht. Ein schwarzweißes Rätselbild ließ Hütte 2009 nahe Ingelheim entstehen, auf dem die fast, aber eben nicht ganz spiegelglatten Wasser des Rheins von einer winterlich entlaubten, losen Baumreihe am gegenüber liegenden Ufer begrenzt werden. Sie könnte aber auch auf einer schmalen Landzunge stehen. Ob das dahinter der Himmel oder doch wieder Wasser ist, ist nicht auszumachen. Sondern so weiß wie egal. Es habe Wochen gebraucht, dieses alles aufsaugende Morgenlicht zu finden.

gt (Foto: Axel Hüttes »Ferne Blicke«, © Art Foyer)
Bis 27. Februar: Di. – Sa. 11 – 19 Uhr
www.dzbank-kunstsammlung.de

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