American Hustle (Start: 13.2.2014)

American Hustle (Start: 13.2.2014)Täuschen und getäuscht werden

»American Hustle« von David O. Russell

Am Ende der 70er und zu Beginn der 80er Jahre Jahre wurde in den USA mithilfe des sogenannten »Abscam«-Programms eine ganze Schar von Politikern, darunter ein Senator, fünf Abgeordnete des Repräsentantenhauses und ein Bürgermeister, wegen Bestechlichkeit verurteilt. Das FBI hatte den verurteilten Trickbetrüger Melvin Weinberg als Agent provocateur angeheuert, um die Verdächtigten zu überführen.

»American Hustle« basiert auf diesen historischen Ereignissen, doch Regisseur und Drehbuchautor David O. Russell und sein Ko-Autor Eric Singer haben sich nicht zu deren Sklaven machen lassen. Sie erzählen eine haarsträubende Geschichte mit der Beteuerung: Seht her, Leute, so etwas hat sich tatsächlich zugetragen!

Es tritt auf: der Wäschereibesitzer Irving Rosenfeld (Christian Bale), der mit der exzentrischen Rosalyn (Jennifer Lawrence) verheiratet ist. Als Irving die attraktive Sydney Prosser (Amy Adams) kennenlernt, haben sich zwei getroffen, die wie für einander geschaffen scheinen. Rosalyn ahnt, dass ihr Mann sie betrügt, will sich aber unter gar keinen Umständen scheiden lassen.

Im Betrügen hat Irving Übung – das fängt schon bei seiner ausgeklügelten Frisur an, die gleich zu Beginn Anlass für einige Lacher im Kinopublikum gibt. Hinter der Fassade eines seriösen Geschäftsmannes betreibt er einen schwunghaften Handel mit gefälschten Kunstwerken. Und er weiß auch, dass er sich beim Verkaufen zieren muss. Je unwilliger er sich zeigt, die »Kunstschätze« aus der Hand zu geben, umso höhere Preise kann er erzielen, und mit der jungen Sydney an seiner Seite, die sich als englische »Lady Edith« ausgibt, laufen die Geschäfte noch besser.

Auf Dauer kann das natürlich nicht gutgehen. Einer ihrer Geschäftspartner, Richie DiMaso (Bradley Cooper), entpuppt sich als FBI-Agent und nimmt die beiden fest. Doch so viel Talent darf nicht im Gefängnis verkümmern, Richie hat Großes mit den beiden vor: dem vermutlich korrupten Bürgermeister von Campden, Carmino Polito (Jeremy Renner) soll es an den Kragen gehen.

Bei dem – übrigens recht sympathischen – Bürgermeister mit dem edlen Motiv, seine Stadt voranzubringen, wird es nicht bleiben. Der FBI-Mann DiMaso hat Blut gerochen und dreht ein immer größeres Rad mit Irving und »Lady Edith«, die er auch heftig anbaggert. Ein erfundener Scheich wird ins Spiel gebracht, der in Amerika investieren will und die amerikanische Staatsbürgerschaft braucht. Und schließlich gibt es noch den Versuch, die Mafia in Gestalt von good old Robert De Niro hinters Licht zu führen. DiMasos Vorgesetzter, der millionenschwere Bestechungsgelder und andere saftige Ausgaben genehmigen muss, ist mehrmals am Rande des Nervenzusammenbruchs.

Nicht immer ist klar in dieser Gaunerkomödie, wer am Ende der Hereingelegte ist. Täuschen und Betrügen ist anstrengende Arbeit, und manchmal steht die Aktion auf des Messers Schneide. Vorbei sind die Zeiten der Leichtigkeit, als in »Der Clou« ein komplett gefälschtes Wettbüro hingestellt wurde. Das war noch altes Hollywood, ein leistungsfähiges Studiosystem mit ungeheurem Potential. »American Hustle« ist dagegen New Hollywood, auch die Bilder wirken improvisiert, wie hingeworfen. Regisseur Russell, der den Film als Abschluss einer Trilogie der Neuanfänge im Leben der Protagonisten sieht, hat nach »The Fighter« und »Silver Linigs (Playbook)« erneut den Kameramann gewechselt. Nach Hoyte Van Hoytema und Masanobu Takayanagi ist diesmal Linus Sandgren zuständig, doch das Ergebnis kann nicht so recht überzeugen. Dagegen hält Russell seinen Schauspielern die Treue, und von denen danken es ihm ganz besonders Amy Adams, die ihre Reize hemmungslos spielen lässt, und Jennifer Lawrence als durchgeknallte Ehefrau, die sich auch zu rächen weiß.

Claus Wecker

AMERICAN HUSTLE
von David O. Russell, USA 2013, 138 Min.
mit Christian Bale, Amy Adams, Bradley Cooper, Jeremy Renner, Jennifer Lawrence, Robert De Niro
Krimikomödie
Start: 13.02.2014

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