Schulz (67)

Ein Mann als Beispiel dafür, was in den EU Gremien alles falsch läuft: Martin Schulz, der neue Präsident des Europa-Parlaments, vormals Fraktionsvorsitzender der sozialistischen Fraktion, seit 1994 MdEP, gelernter Buchhändler.
Ein Mann der Vergangenheit, der kraft Amt die Zukunft beschwören muß. Er tut das kurzatmig und wirkt dabei immer ein wenig zu kurz gekommen.
Er gibt sich kämpferisch und ist doch nur ein Streithammel, der den Mund zu voll nimmt. Er pöbelt im Europaparlament herum, nannte einen holländischen PVV Abgeordneten einen Faschisten. Er schreit sich durch die Talkshows(zuletzt bei Maybritt Illner), läßt andere Leute nicht ausreden und wiederholt dabei unentwegt entweder die Standard-Platitüden von Europa-Politikern oder blanken Unsinn.
Z.B. daß die Ratingagenturen mehr Macht hätten als gewählte Parlamente, daß die Amerikaner absichtlich den Euro gegen den Dollar kleinhalten wollten, daß der »Zusammenbruch Griechenlands die EU in ihren Grundfesten erschüttern« würde, daß die EU ohne den Euro scheitern werde, daß die (britischen) Euroskeptiker sich am Zerfall der EU freuen würden.
Daß die »wahren Verursacher der Wirtschaftskrise« (haben wir eine Wirtschaftskrise?) »die unverantwortlichen Zockerspekulanten« (?!) seien »mit ihren hochriskanten erfundenen Finanzprodukten, die nichts mit der Wirtschaftsrealität zu tun« hätten. (Wieso sind sie dann riskant?)
Daß die Finanztransaktionssteuer ein wichtiges Instrument für was auch immer sei, daß man Eurobonds brauche wegen der Solidarität mit wem auch immer, daß man in den Krisenländern in Beschäftigung und Wachstum investieren müsse, wie es die Bundesrepublik mit Abwrackprämie und Kurzarbeit erfolgreich vorgeführt habe. (Die Abwrackprämie für Griechenland – das wär es doch! Auch Kurzarbeit bei über 20% Arbeitslosen ist eine geile Idee.)
Wer diesen Mann einmal hat herumtoben hören, verliert jede Lust auf einen Gedankenaustausch mit ihm. Herr Schulz vertritt nämlich nicht nur eine Meinung, er hat selbstverständlich recht, auf alles eine Antwort und immer eine Lösung parat. Für ihn gibt es niemals ein »Für und Wider« sondern immer nur ein »Für« oder ein »Wider«.
Wenn man sieht, wie er voller Furor auf seinem Pult herumtobt, hat man beinahe Angst, daß er sich allzusehr schüttelt und aufregt und daß dann eine Naht platzt und der ganze Staub herausrieselt. Dann merkt man, daß das alles nur gespielt ist – und ärgert sich. Europa à la Schulz ist vorgetäuschte Leidenschaft plus Selbstbetrug, Anmaßung und Beschönigung.
Bei all den vielen Worten, die Schulz schon verloren hat, gab es niemals einen Satz, zu dem man hätte sagen können: Da hat er aber Recht.
So etwas kommt ganz selten vor. Es ist das einzige Bedeutende an einem Mann, der so gerne bedeutend wäre.

Kurt Otterbacher

Add Comment