Ab 14. August zeigt Barock am Main »Der Bürger als Edelmann«

theater_ankuendigung_Barock_am_Main_02Bildungsferne Liaison

Michael Quast, vielseitiger Schauspieler aus Heidelberg und trotzdem so etwas wie Gottvater der gehobenen Frankfurter Mundart-Szene (Barock am Main [BaM], Fliegende Volksbühne), hat es bei der Programmvorstellung des 10. Barock-am-Main-Festivals sichtlich Vergnügen bereitet, dem Oberbürgermeister der Stadt von einem Stück zu erzählen, dessen Held, der Kaufmann Jordan, mit großer Freude in Kultur und Bildung investiert. Schließlich konterkariert die Haltung des Protagonisten in Molières Komödie »Der Bürger als Edelmann«, die dieses Jahr im zauberhaften Gartenambiente des Höchster Bolongaropalastes gegeben wird, all das, was man städtischen Zeitgeist nennen könnte, auf das Angenehmste. Dass der von Quast selbst gespielte Titelheld sein Bemühen um kulturelle Kompetenz und Lebensart mit sozialem Aufstieg verknüpft und ihm dafür von der lokalen Kulturelite nicht übel mitgespielt wird, spricht ja nicht gegen sein Anliegen. Ob unser Stadtoberhaupt, das ja auch Schirmherr der Veranstaltung ist, sich von den Ansichten des Herrn Jordan beeindrucken lässt, bleibt abzuwarten. Immerhin hält das Kulturamt Frankfurt den städtischen Zuschuss auf dem Vorjahrsniveau. Für ein zweites Stück und ein Kinderprogramm, wie im Vorjahr, reicht es aber nicht.
Der BaM-Autor Rainer Dachselt hat seine bereits vierte Molière-Bearbeitung einmal mehr sprachlich wie geographisch aus dem Französischen ins Hessische und von der Seine an den Main verlegt. Dem Bühnenhelden leisten so neben einem Grafen Serenus von Selbold (Matthias Scheuring) und der Gräfin Filomela von Falkenstein (Claudia Jacobacci) unter anderem auch das Töchterchen Adele (Lucie Mackert) und ihr eher bildungsferner Lover Hermann (Philipp Hunscha) Gesellschaft, deren kulturresistente Liebe die Pläne des Vaters desavouiert. Der rettende Traumprinz, soviel sei verraten, bleibt ein getürkter Türke. Das im Jahr 1670 als Ballettkomödie uraufgeführte Werk (»Le Bourgeois Gentilhomme«) gilt als das erste Musical der Welt. Es wird unter der Regie von Sarah Groß und unter der musikalischen Leitung von Rhodi Britton originalgetreu mit der Musik von Jean-Baptiste Lully sowie mit den von Katharina Wiederhofer choreografierten Tanzeinlagen aufgeführt. Mit anderen Worten: Barock am Main wird ein Spektakel.
Vom 14. August an sind 26 Vorstellungen angesetzt. Die Nachfrage läuft hervorragend, so dass die Vorabbuchung per Internet oder am Telefon empfohlen ist. Im Vorjahr sorgten 13.000 Zuschauer für eine Auslastung von 90 Prozent auf den 500 zur Verfügung stehenden und sämtlich überdachten Plätzen.

gt
Termine: 14. August – 7. September,
Di. bis So. jeweils 20 Uhr; zusätzlich 17., 24., 31. August + 7. September jeweils 17 Uhr
www.barock-am-main.com

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