45 Minuten bis Ramallah (Start: 5.12.2013)

Wilde Jagd durch den Nahen Osten

»45 Minuten bis Ramallah« von Ali Samadi Ahadi

Es geht alles rasend schnell in diesem Film. Die Teller müssen gespült werden in der Küche der Hamburger Gaststätte, wo Rafik arbeitet. Er bekommt eine telefonische Einladung zur Hochzeit seines ungeliebten Bruders in Jerusalem und schlägt sie aus. Im nächsten Moment ist er seinen Job los. Er läßt einen feinen Anzug mitgehen und ist kurz darauf doch noch auf dem Weg nach Jerusalem.

Rafik ist Palestinenser aus dem von Israel annektierten Ostjerusalem, und er hat kein besonders gutes Verhältnis zu seiner Familie. Kaum angekommen, die Feierlichkeiten sind in vollem Gange, gibt es auch schon einen Streit zwischen Rafik und seinem Vater. Herzattacke und Tod des alten Herren – allgemeine Trauer. Doch da kommt das nächste Problem: Vaters letzter Wunsch ist seine Bestattung in Ramallah, und das liegt in den palästinensischen Autonomiegebieten.

Weil die resolute Mutter darauf besteht, dass dieser Wunsch in Erfüllung geht, machen sich die Söhne widerwillig ans Werk. Der tote Vater soll über die Grenze geschmuggelt werden. Es sind ja nur 45 Minuten bis Ramallah, heißt es. Doch die wilde Jagd, die nun beginnt, ist nicht einmal in 45 Filmminuten erzählt. Die beiden Brüder geraten an eine russische Autoschieberbande, die das Auto samt toten Vater stiehlt. (Die russische Mafia ist schon weit gekommen.) Sie werden von einer palästinensischen Kampfgruppe entführt und landen sogar vor einem Erschießungskommando, werden zwischendurch von der israelischen Polizei vernommen und müssen noch dazu den Lieben in Jerusalem am Telefon vormachen, es sei alles in bester Ordnung.

Das alles ist ein Riesenspaß, in dem natürlich auch eine Liebesgeschichte nicht fehlen darf. Die politischen, menschlichen, kulturellen und religiösen Probleme im Nahen Osten sind in einer Vielzahl von Filmen dargestellt worden, aber selten so herzerfrischend witzig. »Ich bin überzeugt, dass Filme wie ›45 Minuten bis Ramallah‹ dringend notwendig sind, um wichtige Themen der aktuellen Weltpolitik einem breiteren Publikum auf unterhaltsame Art und Weise nahezubringen. Insbesondere jetzt, da sich der Blick der Weltöffentlichkeit wieder sehr stark auf die arabischen Länder und den Nahen Osten richtet«, sagt der aus dem Iran stammende und mit 13 Jahren nach Deutschland gekommene Regisseur Ali Samadi Ahadi. Er hat schon mit der köstlichen Satire »Salami Aleikum« bewiesen, dass er den Film hierzulande mit seinem sarkastischen Blick wesentlich bereichern kann. »45 Minuten bis Ramallah« kommt in einer durchgehend deutschen Fassung ins Kino. Es existiert noch eine englische Fassung für ausgewählte Häuser, aber leiden keine mehrsprachige, untertitlte, in der ein babylonisches Sprachenwirrwarr von Deutsch (am Anfang), Englisch, Hebräisch und Arabisch noch das gegenseitige Nichtverstehen und Nichtverstehenwollen unterstreichen würde.

Claus Wecker

45 MINUTEN BIS RAMALLAH (45 Minutes to Ramallah)
von Ali Samadi Ahadi, D 2013, 90 Min.
mit Jackie Sawiris, Karim Saleh, Julie Engelbrecht, Navíd Akhavan, Eyas Younis
Farce / Start: 05.12.2013

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