40 Jahre und jetzt endlich weise? (74)

Waren meine ersten Joints in den sechziger Jahren noch bar jeder Legalisierungsüberlegungen, auch überhaupt nicht verbunden mit der Vorstellung einer großartigen politischen Auflehnung (obwohl die ersten Sessions immerhin in der Wohnung des Kantinenbetreibers in einer örtlichen Bundeswehrkaserne stattfanden), gab es dann doch schon bald die ersten Versuche, das Kiffen wenn auch nicht gesellschaftsfähig, so doch zu einem politischen Apo-Statement zu machen. Der Berliner »Zentralrat der umherschweifenden Haschrebellen« war einer dieser Versuche, der dann aber irgendwie in die falsche Richtung lief. Aber immerhin wurden durch die Studenten- und sonstige Bewegungen in den Siebzigern die Duftwolken von schwarzem, roten und sonst wie farbigem Afghan und dem süßen kalifornischen Kraut in die Mitte der Gesellschaft geblasen. Die ersten Symposien zu den Gefahren des Drogenmissbrauchs unserer Jugend wurden abgehalten. Legendär in meiner Erinnerung der Beitrag eines Freiburger Medizinprofessors, dass das Gläschen eines süffigen Kaiserstühlers zum Mittagessen auch für seine halbwüchsigen Kinder durchaus vertretbar sei, der mehr oder minder tiefe Zug aus dem Chillum allerdings nicht nur zutiefst verwerflich, nein er wäre der Anfang einer zerstörerischen Drogenkarriere.

Legendär, wenn auch in Vergessenheit geraten, der Aufstand 1980 gegen die Aussagen des Frankfurter Vorsitzenden des Jugendschutzausschusses (ein Unterausschuss des damals so genannten Jugendwohlfahrts- heute Jugendhilfeausschusses), der sich eine Diskussion über eine Entkriminalisierung der Drogenkonsumenten wünschte, Cannabisprodukte dann auch noch den Genussmitteln Alkohol und Tabak gleichstellte. Anträge im Stadtparlament mit Rücktrittsforderungen und Anfragen im Hessischen Landtag spiegelten nicht nur die christdemokratische Haltung zur Drogenpolitik wieder, nein auch die SPD, die sich heute als Vorreiterin der Legalisierung geriert, schäumte ob solcher Jugendgefährdung durch den Jugendschützer.

Dass es dann die neuerstandenen Grünen waren, die in ihrem Wahlprogramm 1982 einen neuen Umgang mit den Drogen verlangten, lag nicht nur, aber auch an der damals noch vorhandenen Naturbelassenheit des Hanfproduktes. Da war aber in der ersten rot-grünen Koalition mit dem sozialdemokratischen Koalitionspartner nix zu machen. Einzig eine sogenannte Selbstheilerstudie war dem damaligen Sozialminister Armin Clauss abzuringen – im Übrigen eine der Grundlagen für den späteren Aufbau des Frankfurter Drogenreferats. Und beiläufig sei auch noch erwähnt, ja fast schon enthüllt, dass eine der Koalitionsrunden mit Holger Börner, jenem Dachlatten schwingenden nordhessischen sozialdemokratischen Ministerpräsidenten, mit äußerst nüchternen Sozis, aber einigen total bekifften Grünen stattfand.

In Frankfurt haben es dann die Grünen geschafft, eine neue Drogenpolitik in die Stadtpolitik zu bringen, der sogenannte »Frankfurter Weg«. Und nun endlich, nachdem die angeblich so konservativen USA in etlichen Staaten schon seit Jahren das medizinisch indizierte Cannabis erlaubt haben (in Venice Beach reiht sich ein Doctor-Shop zur Verschreibung an den anderen) und in zwei Staaten die Legalisierung insgesamt durchgesetzt wurde, bricht auch hier die Diskussion ernsthaft los. Ein kleiner Ortsbeirat hat es geschafft, dass nun auf einmal über Vergabe, medizinische Indikation, Nichtverfolgung von Konsumenten nachgedacht wird. Nach vierzig Jahren restriktiver Haltung gegenüber Cannabis ist es auch nun wieder eine Grüne Gesundheitsdezernentin, die neue Wege einschlägt.

Da gibt es nix zu meckern, und der Rosemarie wünschen wir ein gutes Standing.

Jochen Vielhauer

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