Havensteins Klassik-Tips
Wilde Tiere und zarte Pflänzchen - Klassik im Februar

Zarte Canciones
Umgeben von romantischen Bildern des weithin wenig bekannten Frankfurter Malers Adolf Hoeffler (1825-1898) gibt’s im Nebbienschen Gartenhaus gleich zwei reizvolle musikalische Veranstaltungen. Den 250.Geburtstag eines Landolfi-Cellos begeht Christoph von Erffa am 5. Februar (11 Uhr) in einer Matinee sehr bezugsreich mit Kompositionen italienischer Meister dieser Zeit und von Johann Sebastian Bach, die der Cellist auch kommentieren wird. Eine Woche später (12.2.), ebenfalls in einer Matinee, sind angekündigt »Canciones populares«. Das sind Lieder und Romanzen der spanischen Romantiker Manuel de Falla und Joaquin Rodrigo, aber auch von Robert Schumann und Franz Schubert. Die Altistin Katharina Magiera, Ensemblemitglied der Oper Frankfurt, und Christopher Brandt am Klavier sind die beiden hcohkarätigen Ausführenden.
Termine: 5. bzw. 12. Februar, jeweils 11 Uhr, Nebbiensches Gartenhaus, Frankfurt
Auskünfte: 069/23 57 34
Der Eintritt ist frei, um eine Spende für den Frankfurter Künstlerclub e.V. als großzügigem Sponsor der Veranstaltungen wird gebeten.

Feister Wagner
Das neue »Music Discovery Project« des hr-Sinfonieorchesters kommt »Ganz Schön Feist« daher – und das bezieht sich wohl nicht nur auf die mitwirkende Comedy-Gruppe dieses Namens. Chefdirigent Paavo Järvi läßt es nicht nehmen, diesmal selbst mit Hand anzulegen, wenn es heißt, Wagners ganz schön feisten, mehrtägigen Koloß vom »Ring des Nibelungen« auf einen Abend zusammenzudampfen. Martin O., Stimmkünstler des genannten Pop-Trios (und Träger des Kleinkunstpreises 2012 in der Sparte Chanson/Lied) ordnet Wagner in der »schwierigen Hochkultur« ein, als »düster« - und doch schimmere musikalisch hin und wieder die Sonne durch. Denn letztlich ginge es bei seinen, Martin O´s, Songs und Wagners Texten irgendwie um das gleiche Thema: die Liebe. Ganz so neu sind derartige Versuche allerdings nicht, denn schon in den 70ern haben z.B. Emerson, Lake und Palmer mit ihrem »Works Volume« Grenzen zwischen Pop und Klassik ausgelotet, indem sie ein bombastisches Sinfonierochester als Transportmittel ihrer musikalischen Botschaften einzusetzen versuchten. Dennoch: die erfolgreiche Zusammenarbeit der letzten Jahre zwischen DJ´s der internationalen Szene, dem Schlagzeuger Martin Grubinger oder der Popgruppe »2raumwohnung« mit dem unermüdlichen hr-Sinfonieorchester haben gezeigt, daß mit diesen Experimenten (»Crossover« hieß das mal) durchaus ein neues, interessiertes und junges Publikum an die sog. Klassik herangeführt oder sogar begeistert werden kann. Auch den Älteren unter uns schadet´s nicht, sich die Ohren mals wieder putzen zu lassen.
Termin: 10. Februar, 20 Uhr, Jahrhunderthalle
Karten zu € 24 (erm. € 14) unter 069/155 2000

Musikalisches Bestiarium
Auf dem geplanten Kulturcampus startete im Januar eine thematische Reihe »Bestiarium: Tiere und Natur« des Senckenberg Naturmuseums in Kooperation mit der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst (HfMDK). Vorbild mag vielleicht Saint-Saens »Karneval der Tiere« gewesen sein, der auf launige Weise die Eigenarten einiger Tiere musikalisch hörbar macht. Schon Rameau hat Tierstimmen zu imitieren versucht, bei Eric Satie, Messiaen oder Takemitsu sind sie Programm. Mauricio Kagel schuf gar ein »Bestiarium«, das für die Konzertreihe als Vorbild steht. Das nächste Konzert mit allerlei Geräuschen und Kompositionen sowie einer begleitenden Führung »Wald und Urwald« vereint neuere Kompositionen von Volker Staub, Robin Hoffmann (Locken für Birkenhahn-Sextett), Peter Aiblinger und Mauricio Kagel (s.o.).
Nix wie hin:
Termin: 23. Februar, 18.15 Uhr (Führung) bzw. 19.30 Uhr (Konzert)
Kostenlos. Anmeldung erforderlich www.senckenberg.de/veranstaltungen.

Chor gegen Kommerz
Kunst kostet Geld: zur Realisierung des ersten Konzert des Orfeo Chors e.V. im neuen Jahr fehlen, so heißt es in einer Pressemitteilung, noch € 4.999. Nun könnte man es sich einfach machen und im Sinne der Politik sagen, na und? Die Gießkanne zur Subventionierung kultureller Angelegenheiten hat ihre (wie immer gekürzten) Gelder ausgeschüttet – dann sucht mal schön. Die großzügigen »Sponsoren« eines Händel, Bach, Mozart, Beethoven oder Brahms, denen Musik mehr bedeutete als nur Kommerz, bleiben heute weitestgehend aus. So versucht der rührige Vorstand des Orfeo Chors mit einem nahezu dramatischen Apell einen emotionalen Weg zu gehen: »Ihr sollt uns unterstützen, weil wir es ohne euch nicht schaffen – klar werden wir das Konzert irgendwie auf die Beine stellen, aber es wird dann ganz ganz eng für unseren Chor... Ihr sollt uns unterstützen, weil ihr die Musik liebt und wollt, daß sie so aufgeführt wird, wie wir sie interpretieren: auf alten Instrumenten, in Original-Stimmung, wie sie geschrieben wurde. Ihr sollt uns unterstützen, weil ihr das Gefühl habt, etwas Richtiges, etwa Gutes zu tun«. Vielleicht so: statt € 399 z.B. für eine mittelmäßige bis mißglückte Reise zu verpulvern, investiert den Betrag einmal im Jahr in gute Musik für einen engagierten Haufen musikbegeisterter Laien und Semiprofis! Tut das Richtige: die Rendite daraus ist zeitlos!
Das Konzert, um das es hier geht, wird reizvolle Kompositionen von Giacomo Carissimi (Oratorium Jonas) und Henry Purcell (Ode für Queen Mary) aus dem mittleren 16. Jahrhundert, eine Messe von André Campra und Bachs »kleine g-moll-Messe« enthalten. Der Chor, Solisten und das Main-Barock-Orchester werden geleitet vom Orfeo-Gründer Armin Rothermel.
Termine: 25. Februar, 20 Uhr, Ev. Katharinenkirche, Frankfurt (Hauptwache)
26. Februar, 17 Uhr, Kath. Marienkirche, Offenbach Bieberer Straße
Karten zu € 16 (erm. € 16), Abendkasse € 19
Frankfurt Ticket, Hauptwache, und Buchladen am Markt, Offenbach
oder: www.orfeo-chor.de ein Spenden-pdf zum Runterladen und gleich die Karten mit kaufen!


Bernd Havenstein

Ihre Meinung interessiert uns. Mailen Sie uns: leserbriefe@strandgut.de